Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Wohlgeborner Herr,
Verehrtester Herr Kapellmeister!
Gar schüchtern erscheine ich vor dem allverehrten Beherrscher des Tonreichs u lege einen Versuch mit der gehorsamsten Bitte vor, denselben einer Prüfung zu unterwerfen, ob er sich, nach Form u Inhalt, zu einem Oratorium eigne u in Musik gesetzt zu werden verdiene!
Verzeihen Sie meiner Bitte!
In unseren Tagen, wo das geistl.-religiöse Element so sehr in den Hintergrund treten will, da ist es nothwendig, daß Alle, die es mit der Gegenwart u mit der Zukunft gut meinen, zur Hebung u Belebung eines frommen Sinnes beitragen.
Ich kann u werde mich nicht für einen Dichter halten u dies ist – in dieser Gattung wenigstens – meiner erster Versuch. Würde ihm die Tonkunst ihre Schwingen u ihre Kraft leihen, dann dürfte ihm eine wohlthätige Wirkung nicht fehlen. Würde Sie es, verehrter Herr Doctor, der Mühe werth halten, Ihre Meisterhand daran zu legen, dann würde das für meine Arbeit eine große Ehre seyn. Wenn Sie aber dazu weder Zeit noch Lust haben, dann bitte ich mir zu sagen: ob sich die Sache überhaupt für einen Tondichter lohnt u wer wol von den1 jüngeren Tonsetzern dazu geeignet seyn möchte.
Nochmals, Verzeihung meiner Bitte! In reinster Ehrerbietung beharre ich
Ew. Wohlgeboren
gehorsamer Diener,
K. Brunner,
Metropolitan p.
Gudensberg d. 28. im Jan.
1850.
| Autor(en): |
Brunner, Carl |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: | |
| Erwähnte Kompositionen: | |
| Erwähnte Orte: | |
| Erwähnte Institutionen: | |
| Zitierlink: | https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1850012847 |
[1] Hier gestrichen: „J“.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (25.05.2023).