Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Wohlgeborner Hochgelahrter,
besonders Hochzuverehrender Herr Hof-Capell-
meister Dr Spohr.
Gestützt auf die hohe Gewogenheit und menschenfreundliche Gesinnung Ew. Wohlgeboren war ich so kühn, Hochderselben eine Sammlung ernster Schullieder, zur geneigten Durchsicht zu überreichen, hatte auch die Freude, daß solche, der geneigten Annahme, und Durchsicht Ew. Wohlgeboren gewürdigt wurden wofür ich Hochderselben meinen herzlich innigsten Dank erstatte und stets als hohen Beförderer meines Zwecks verehren werde. Die bezeichneten Lieder und Tacte habe ich nochmals durchgearbeitet und abgeändert, und sämmtliche Lieder ins Reine geschrieben, und lege das feste Vertrauen, meine Zuflucht nochmals zu der hohen Gewogenheit Ew. Wohlgeboren1 nehmen2 zu dürfen, mit der ergebenst innigsten Bitte:
„doch geneigtest in hoher Gewogenheit zu geruhen, und die auf dem beiliegenden Zettel näher bezeichneten Lieder und Tacte in dem Liederbuch noch einmal der Hochgeneigten Durchsicht zu würdigen, und wenn etwa noch ein Fehler vorkommen sollte, doch gütigst abzuändern; auch ein mir recht gutes Empfehlungsschreiben, in das Liederbuch, auf das Iste innigste Blatt so geneigt zu ertheilen, damit ich3 zum Ziele schreiten, und meinen vorhabenden Zweck erreichen kann. Denn nur durch den hochgütigen Schutz und Empfehlung Ew. Wohlgeboren werde ich mein Ziel in dieser Hinsicht erstreben können. Und Hochderselben werden hierdurch, nicht nur der edle Wohlthäter und hohe Beförderer des Glücks eines Familien-Vater und seiner zu zahlreichen Familie werden, sondern auch das4 Wohl der Schulen – begründen, in denen es so Noth thut, daß der Gesang in den Oberklassen, eine ernste Richtung nimmt.
Gassenhauser pp lernen die Kinder in den Spinnstuben pp und wir haben jetzt kein vernünftiges Singbuch – als das Melodienbuch von Herr Wiegand, alle andern, wovon die Liedchen herkommen: „Gestern Abend war Vatter Meisel da p Fuchs du hast die Gans gestohlen pp Mutschekühchen von Halberstadt pp u.s.w. sind den Kindern lächerlich, u. den Alten ein Gespött.
Die hohe Menschenfreundlichkeit und Gewogenheit Ew. Wohlgeboren, der ich mich5 mit meiner Familie von 7 Kindern u. 1 Ehefrau so innigst dankbar erfreut habe6, läßt mich die feste Hoffnung hegen, daß Ew. Wohlgeboren auch diesmal meinen herzlich innigste Bitte hochgeneigtest gewillfahren werden; und habe die Ehre, mit allervollkommenster Hochachtung stets zu sein.
Ew. Wohlgeoren
ergebenst
innigst dankbarer
Schullehrer Walther
Singlis am 22/1 50.
| Autor(en): |
Walther, Conrad |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: | |
| Erwähnte Kompositionen: | |
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| Erwähnte Institutionen: | |
| Zitierlink: | https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1850012248 |
Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Spohr an Walther.
[1] Hier gestrichen: „zu“.
[2] Hier gestrichen: „und“.
[3] „ich“ über der Zeile eingefügt.
[4] „das“ über der Zeile eingefügt.
[5] „mich“ über der Zeile eingefügt.
[6] Hier am Wortende gestrichen: „n“. – Zu Walthers Familiensituation vgl. Hermann Grebe, „Zur Geschichte der hessischen Dorfschule. Das Beispiel der Schule zu Singlis“, in: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde 94 (1989), S. 316.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit nicht in den Anmerkungen anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (09.12.2021).