Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Sr Hochwohlgeboren 
dem Herrn General-Musik-Director 
Dr Louis Spohr 
Vieler hohen Orden Ritter 
zu Cassel 

frco. Cito!1


Catlenburg am 7/11 49.

So eben, mein innigst verehrtester Freund! geht Ihr liebes Schreiben von Gestern ein, das mit meinem 2t sich gekreuzt. – Kömpel wird nun ganz nach Ihrer bestimmten weiteren Vorschrift Donnerstag, also Morgen, Nachmittag dort eintreffen.

Mein Bedienter ist schon nach Nordheim um die Morgen-Post für ihn zu belegen, zu der ich ihn denn hineinfahren lassen werde. – Wie manches vorher noch zu ordnende bis diesen Abend noch zu beschaffen, ist noch eine harte Nuss! – eben deshalb aber habe ich das „Muß!!“ allseitig dazwischen zu ermessen, kurz u gut die Post gleich belegen lassen. – die Aussicht seiner regelmäßigen Mitwirkung bey Ihren so vollendeten Quartett-Ausführungen machte ihn vor Freuden springen,! u ist auch mir als ganz unbezahlbar für seine künstlerische u sociale Fortbildung ein noch weiterer wahrer Trost bey der schweren Einbuße, die ich durch seinen Fortgang in einem so ungewöhnlich isolirten Leben erleide! – Dächte ich dabey nur an mich, – ich hätte sicherlich Sr Königl. Hoheit sofort ganz raisonable überbothen!! – 
Sie haben denn wohl die Güte ihm gleich bey der Ankunft zu sagen, wer geneigen würde Dienstags Morgens das Mendelssohnsche Concert zu begleiten? Denn wäre es z.B. Tivendell, wenn die verehrten Damen um so ungestörter mögten hören wollen: so würde dieser doch um vorherige Durchsicht u eigne Probe mit K. zu bitten seyn; – weil Prima-Vista strengstes Ensemble seine Schwierigkeiten haben mögte! – ich hoffe fast, dass Sie alldort diese Hinterlassenschaft Ihres würdigen näheren Freundes noch nicht hörten?, um den Reitz der Neuheit unter des Jünglings Alliirten bey der nicht leicht Aufgabe zu wissen! – 
Bleibt die Entscheidung seines Theater-Debüts bey einer Pieçe stehen: so stimme ich entschieden für den Potpourri; so natürlich ich auch seinen Wunsch finde, ein so ernstes Werk wie die „Gesang-Scene“ vorrangehen lassen zu können. – 
Um die Proben nicht zu versäumen, u doch Montag nicht in eine mir nicht mehr wie dem so recht zusagende Hetze zu gerathen werde ich wohl schon Sonntag gegen Abend kommen. – Vielleicht könnten Sie mir noch mit 2 Worten sagen, was Sonntag Abend im Theater ist, u wann dieses angeht. – 
Die Post drängt! – Gottlob endlich ein Mahl wieder mündlich bald mehr!! Innigst, 

Ihr Verehrer CFLueder



Der Postweg dieses Briefs überschnitt sich mit dem des derzeit verschollenen Briefs Spohr an Lueder, 06.11.1849. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Lueder an Spohr, 14.12.1849.

[1] Auf dem Adressfeld befindet sich rechts oben der Poststempel „CATLENBURG“, rechts unter dem Adressfeld der Stempel „D [???] / 8 11“.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (05.03.2026).