Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms . Hass. 287

Hochgeehrtester Herr General-Musikdirector!
Ew. Hochwohlgeboren 

Werden gütigst verzeihen, daß ich sie mit einer Bitte aus der Ferne belästige. Ich bin im Begriff einer Anforderung nach Lübeck zu folgen, um dort Klavier-Unterricht zu ertheilen; zu diesem Zweck wollte ich Ew. Hochwohlgeboren ergebenst bitten, ob Sie mir nicht ein Zeugniß ertheilen wollten, was ich als Lehrerin leisten kann.1 Ich würde dann gewiß recht bald Unterrichtsstunden erhalten. Ew. Hochwohlgeboren hat ja schon so Vielen durch Ihre Güte geholfen, indem ein Wort von Ihnen mehr wirkt, als 10 Zeugnisse von Andern, so daß ich mit Zuversicht hoffe, keine Fehlbitte zu thun. Sie äußerten sich einmal gütig, wie mir gesagt wurde, über meinen Schüler Steinmetz2; möchten Sie doch diese Güte jetzt auf die Lehrerin übertragen! Über die Art meines Unterrichts habe ich die Hoffnung, alle meine Schülerinnen und Schüler befriedigt zu sehen. Ew. Hochwohlgeboren dürften sich nur gütigst bei Einer erkundigen, nämlich bei Frau Majorin Hopffe, und Sie würden gewiß überzeugt seyn, daß Sie keiner Unwürdigen das Zeugniß ertheilen. 
Ich bitte Sie im Falle ich dieser großen Güte theil würde, es gefälligst an die Frau Majorin Hopffe zu geben, die ich gebethen habe, es mir zuzusenden. Ich würde Ew. Hochwohlgeboren zeitlebens dankbar dafür seyn wenn Sie mir diese Hülfe zukommen ließen. –
Indem ich Sie, verehrungswürdigster Herr Kapellmeister nochmals um Verzeihung wegen meiner Freiheit bitte, hoffe ich auf Ihre Güte und zeichne mich mit vollkommenster Hochachtung als 

Ew. Hochwohlgeboren
ergebenste
Marie Molendo
Musiclehrerin

Bayreuth den 4ten October 1849.

Autor(en): Molendo, Marie
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Hopffe, Henriette
Steinmetz (Pianist in Kassel)
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Lübeck
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1849100443


[1] Molendo war während des Kasseler Engagements ihrer jüngeren Schwester, der Sängerin Auguste Molendo, mindestens 1847 bis 1849 als Klavierlehrerin in Kassel tätig, wo sie auch als Pianistin auftrat (vgl. O[tto] K[raushaar], „Cassel“, in: Allgemeine musikalische Zeitung 49 (1847), Sp. 404-407 und 424-427, hier Sp. 426; – – r, „Aus Cassel“, in: Neue Zeitschrift für Musik 30 (1849), S. 33f., 42f. und 53ff., hier S. 54).

[2] Vermutllich der Pianist Steinmetz, der 1848 in Kassel unter anderem mit einem Klavierkonzert von Beethoven konzertierte (vgl. O[tto] K[raushaar], „Kassel. Von Anfang Januar bis Ende April 1848“, in: Allgemeine musikalische Zeitung 50 (1848), Sp. 379ff., 393ff., 424f. und 437ff., hier Sp. 424 und 437).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (13.02.2026).