Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287[Albrecht:2
Seiner Wohlgeboren
dem Herrn Hofkapellmeister
Louis Spohr
in
Kassel.
Murten d. 4/4/49.
Hochverehrter Herr Kapellmeister!
Sie werden fast zu glauben gezwungen seyn, daß die Liebe zur Kunst und zu eigenen weiteren Fortschritten in der Kunst in mir groß seyn muß, da ich, ungeachtet der Bemerkung, welche sie mir, – nachdem ich Ihnen vor einigen Jahren ein Violinquartett übersandte, welches dann, Mangels meiner zeitigen Nachfrage auf dem Postamt verloren ging, in einem noch späteren Antwortschreiben – machten: daß nämlich solche Zusendungen Ihnen wegen eigener Überladenheit mit künstlerischen Arbeiten oft lästig seyen, – da ich dennoch also auf die nämliche Weise als bittender Kunstjünger wieder vor Ihnen erscheine.
Meine Bitte an Sie ist um Ausstellung eines empfehlenden allgemeinen Zeugnisses über meine Kompositionen.
Damit ich diesmal nicht ganz ohne Empfehlung vor Ihnen erscheine, lege ich 2 meine früher erwobenen Zeugnisse bei, denen ich seither schon eine feste Anstellung in der kleinen Stadt Murten im Kanton Freiburg in der Schweiz verdanke, wo ich mich gegenwärtig befinde.
Ich kann es gegen Sie mit Bescheidenheit bemerken, daß ich in den letzten Jahren ziemlich viele und darunter umfangreiche Arbeiten verschiedener Gattungen vollendet habe; aber ich durfte wahrhaftig nicht so weit gehen,1 Ihnen ohne besondere Erlaubniß – die Sie mir nicht leicht geben werden –, einen Pack dicker Partituren zuzusenden. Deßhalb wählte ich mir nur 2 dünne Heftchen aus, – Ihrer Vielerfahrenheit und durchdringenden Kenntniß hinlänglich, um mich zu beurtheilen, und, wenn ich bei solcher Beurtheilung nicht ganz durchfalle, mich mit dem erbetenen Zeugnisse zu beglücken.
Ihre Hand thut Wunder, wenn sie Noten spielt und schreibt, aber sie kann auch Wunder thun, wenn sie sich zu einigen Schriftzügen für die Empfehlung eines Sie hochverehrenden Kunstjüngers hergiebt.
Sie erhalten dieses Päckchen über Frankfurt a/M. Ich bitte Sie, dasselbe in die nämliche Stadt zurück gehen zu lassen und es mit der Adresse meines dortigen Freundes zu versehen: – Carl Scharrer im Hause der H. H. Joh. Goll & Söhne in Frankfurt a/M.
Mit dem Wunsche, daß meine wiederholte Annäherung Ihnen nicht als lästige Aufdringlichkeit erscheinen möchte, zeichne ich mich, hochverehrter Herr Kapellmeister, hochachtungsvoll
Ihren
ganz ergebenen
Moritz Albrecht.
| Autor(en): |
Albrecht, Moritz |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: | |
| Erwähnte Kompositionen: | |
| Erwähnte Orte: |
Murten |
| Erwähnte Institutionen: | |
| Zitierlink: | www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1849040443 bitlx |
Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Albrecht an Spohr, 17.06.1841. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Albrecht an Spohr, 29.01.1852.
[1] Hier gestrichen: „und“.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (05.09.2023).