Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Hochverehrter Herr GeneralMusikDirector!

Durch Ihre freundlichen Zeilen und die denselben beigefügten lieben Gaben haben Sie große Freude bereitet. Meinem Sohn1 ist der Saitenmesser aus Ihrer Hand eine solche Aufmunterung, daß er nächst seinen unmittelbaren Zweck auch einen höheren erfüllen wird. Unsere Damen, jung und alt, übten den Sprachsinn an den Füllräthseln. Noch sind aber nicht alle gelöst. Herzlichen Dank für diese, so wie für die vielen anderen Beweise Ihrer freundschaftlichen Theilnahme. 
Während Sie im Harz, werde ich am Rhein auf ein Paar Tage Erholung suchen. Die Zeit ist so gewaltig, so aufregend daß die Ruhe der Natur zur ausgleichenden Besänftigung nicht wohl zu entbehren ist. 
Mit der Bitte mich und die Meinigen Ihrer verehrten Frau angelegentlich zu empfehlen und unser Bedanken auch in dem übrigen Verwandtenkreis in Cassel zu versichern, erneure ich den Ausdruck aufrichtiger Hochachtung 

Der Ihrige
Harnier

Frankfurtm den 13 Juli 1848.

Autor(en): Harnier, Eduard Ludwig
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1848071340


Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Spohr an Harnier.
Die Identifikation des Briefautors folgt hier nach einer ebenfalls auf 1848 bezogenen Passage in: Louis Spohr’s Selbstbiographie, Bd. 2, Kassel und Göttingen 1861, S. 326. Grundsätzlich wäre auch Harniers Vater Louis als Briefautor denkbar; dies passt aber nicht zu dem im Brief geäußerten Dank für den Saitenmesser, der sich eher auf einen jugendlichen Sohn beziehen dürfte.

[1] Entweder Caspar Wilhelm Eduard Harnier oder Ludwig Adolph Harnier.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (09.07.2026).