Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Herrn
Hofcapellmeister Dr. Spohr,
Ritter hoher Orden
Wohlgeboren,
hier

a. prop. manu!1


Sehr geehrter Herr!

Indem ich Ihnen hierdurch eine dringende Bitte bekannt mache, übergebe ich mich Ihrer Discretion2. –
Die für mich erfreuliche Ankunft meiner Frau Mutter – und das Eintreffen des Geburtstages derselben – haben für diesen Augenblick meine Finanzen ins Schwanken gebracht3 – und war es mir unmöglich bey einigen Bekannten ein Darlehn zu erhalten; da die Messe und Einkäufe vor der Thür.
Vertrauensvoll nahe ich mich Ihnen mit der ergebensten Bitte mir mit 12 gr. auszuhelfen; –
nicht zu schildern brauche ich da – wie schwer es mir wurde, diese Bitte an Sie zu richten – doch baue ich auf Ihren Edelmuth, der mir wenigstens verzeihen wird, Ihnen ein Anliegen dieser Art gemacht zu haben. – Sollte Ihr freundliche Theilnahme für mich durch mein Gesuch erweckt und erneuert werden – so lege ich zu Ihrer Disposition die Assignation4 bey.
Mit aller Hochachtung und Ehrerbietung

ergebenster
Carl Francke.

A. Dom./1 Ap. 1848

Autor(en): Francke, Carl
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1848040143


Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist vermutlich der in dieser Edition auf Anfang Mai datierte Brief von Francke an Spohr.

[1] Vermutlich gemeint: „Manu propria“ (lat.) = „eigenhändig“.

[2] „Discretion, die Bedachtsamkeit, Bescheidenheit, Verbirgsamkeit, Verschwiegenheit oder Zurückhaltung, auch Großmuth“ (Friedrich Erdmann Petri, Gedrängtes Deutschungs-Wörtebuch der unsre Schrift- und Umgangs-Sprache, selten oder öfter entstellenden fremden Ausdrücke, zu deren Verstehn und Vermeiden, 3. Aufl., Dresden 1817, S. 152).

[3] Francke hatte eigener Angabe nach in Kassel ein Jahresgehalt von 2000 Rth (vgl. „[Aus Cassel schreibt man uns folgendes]“, in: Neue Zeitschrift für Musik 28 (1848), S. 24), also genauso hoch wie das von Spohr!

[4] „Assignate(n), Anweisungen“ (ebd., S. 46).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (17.12.2021).