Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Sr. Hochwohlgeboren
Herrn General-Musik-Direktor und Hof-
Kapellmeister Dr Spohr, Ritter mehrerer
hohen Orden.
zu
Hessen-Kaßel

Frei!1


Euer Hochwohlgeboren

haben mir schon so manche Auszeichnung, ja selbst Beweise von Zuneigung – die stets die Leitpunkte meines Lebens bleiben werden – zu Theil werden laßen, daß ich, gestützt hierauf, mir schmeichle, selbst mit einer schriftlichen Bitte, Sie behelligen zu dürfen.
Meiner Schwägerin2 Entschluß, die theatralische Laufbahn zu betreten, steht, meinen Abrechnungen ungeachtet, felsenfest, und ich haber daher in Uebereinstimmung mit meinen Schwiegereltern einige Einleitungen getroffen, um die Großfürstin von Sachsen-Weimar, die angehende Gesangstalente ja zu unterstützen pflegt, für meine Schwägerin zu gewinnen.
Nichts würde aber zur Erreichung dieses Zweckes mehr beitragen, als eine Empfehlung Deutschlands größten Tondichters.
Zu großem Danke würden Sie mich, noch mehr meine Schwiegereltern verpflichten, wenn Sie Letztere mit einer solchen, in welcher vielleicht zu erwähnen sein dürfte, daß sie bereits in mehreren Konzerten unter Ihrer Leitung Soloparthien gesungen habe, beglücken wollten.
Ich wünschte dieser Umstand um deswillen darin gedacht, weil der Casselsche Rezensent in der Leipziger musikalischen Zeitung, die von meiner Schwägerin gesungene Arie aus dem Pietro von Abano, in der deshalbigen Korrespondenz dem Fräulein Molendo zugeschrieben, und die Solosingstimme bei der Aufführung des Weltgerichts, gar nicht genannt hat.3 Wahrscheinlich aus Freundschaft zu mir, da ihm meine Gesinnungen über seine musikalischen Ausführungen bekannt sind, und er weiß wie wenig ich mit ihm harmonire.
Ich erlaube mir daher, Euer Hochwohlgeboren eine geneigte Ertheilung eines Zeugnisses nach dieser Richtung hin, für meine Schwägerin, Amalie Schneider, Tochter des Bauinspektors Schneider von hier, ergebenst anzusprechen, und, wenn es Ihre Zeit erlaubt, um deßen baldgefällige Zusendung zu bitten.
Mit der Bitte um Empfehlung an Ihre Frau Gemahlin, und der Erfüllung meines Wunsches entgegen sehend, habe ich die Ehre mit der vorzüglichsten Hochachtung mich zu unterzeichnen, als

Euer Hochwohlgeboren
stets bereitwilliger
Schmelz

Weimar den 28. August 1847.

Autor(en): Schmelz, Heinrich
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Kraushaar, Otto
Schneider, Amalie
Erwähnte Kompositionen: Schneider, Friedrich : Das Weltgericht
Spohr, Louis : Pietro von Abano
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=18470828744

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Schmelz an Spohr, 15.01.1837.
Das Zeugnis, das Spohr auf Schmelz’ Bitte schrieb, ist derzeit nur als Entwurf auf diesem Brief erhalten.

[1] Auf dem Adressfeld befindet sich rechts oben der Poststempel „WEIMAR / 28 / 8 / 5.6 N“, auf der Rückseite des zusammengefalteten Briefumschlags befindet sich der Stempel „D 1 / 30 8“.

[2] Amalie Schneider (s. u.).

[3] O[tto] K[raushaar], „Cassel”, in: Allgemeine musikalische Zeitung 49 (1847), Sp. 404-407 und 424-427, hier Sp. 427.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (17.04.2023).