Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Zitat: Folker Göthel, „Anmerkungen“, in: Louis Spohr, Lebenserinnerungen, hrsg. v. Folker Göthel, Tutzing 1968, Bd. 2, S. 241
Hochverehrter Herr General-Musik-Director!
Sie erlauben gewiß einem Veteran Ihrer alten Frankenhauser-Garde, Ihnen seine aufrichtigste Theilnahme, und herzlichste Freude über die geehrte Anerkennung unseres wackern, kunstsinnigen Königs zubezeugen. Ich habe mich außerordentlich gefreut, als ich die Nachricht in den Journalen las, und fühle mich dankbar verpflichtet, Ihnen meinen aufrichtigen Glückwunsch zu der erlebten Jubelfeyer darzubringen, mit der Bitte zu dem Allerhöchsten, daß er Sie noch lange, zur Freude aller Musiker in voller Gesundheit und ungeschwächter Thätigkeit erhalten möge.
Bei dieser Gelegenheit erlauben Sie mir aber auch wohl Ihnen zwei junge brave Musiker zu empfehlen.
Es ist dies erstlich mein Gehülfe der Musikus C. Brannes aus Heringen im vormaligen Thüringen. Sein Instrument ist Horn, und dieses bläßt er mit einem sehr schönen vollen Ton, forte und piano, einer ungeheuren Fertigkeit klar in allen Tonlagen, und sehr guten Vortrag einer Melodie, da er beineben etwas Clavier spielt, und also die Grundlage seiner Melodie kennt. Außerdem ist er auch noch sehr brav als Violoncellist im Orchestre und spielt auch da ein vorkommendes Solo recht hübsch.
Der zweite ist der Hofmusikus Hentrich in Ballenstädt früher Gatte meiner Tochter Friederike der vormaligen Sängerin.
Gewiß ein ausgezeichneter Solo-Violoncellist, der mir ebenso lieb ist, als mancher der jetzigen Violoncell-Herren, und ein umsichtiger, kräftiger Orchesterspieler so a la Hasemann. Er steht mir so nahe, daß ich wohl nicht mehr sagen darf.
Da nun beide durchweg gebildete Musiker, und sehr anstätige solide junge Männer sind, so erlaube ich mir, Ihnen diese meine jungen Protege’s angelegentlichst zu empfehlen und Sie inständigst zu bitten, bei vorkommenden Fällen, gewogentlichst an dieselben zu denken, dann so ungern ich den Brannes aus meinem Orchestre, und Hentrich aus meine Nähe scheiden sähe, so kann ich doch nicht umhin beiden braven Künstlern von Herzen eine würdigere und geistesnährendere Stellung zu wünschen.
Indem ich zuletzt nochmals die dringende Bitte wiederhole, daß Sie sich ja noch recht lange für uns erhalten mögen, empfehle ich mich Ihrem freundlich gewogenen Andenken und bleibe bis an mein dereinstiges Lebensende
Ew. Hochwohlgebohren
treuergebenster Freund
J.D. Rose.
Quedlinburg,
den 19. Febr. 1847.
| Autor(en): | Rose, Johann David |
| Adressat(en): | Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: | Brannes, C. Hasemann, Nicolaus Hentrich |
| Erwähnte Kompositionen: | |
| Erwähnte Orte: | |
| Erwähnte Institutionen: | Musikfeste <Frankenhausen> |
| Zitierlink: | www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1847021945 |
Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Rose an Spohr, 21.01.1834.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (17.03.2022).