Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287[Wichmann,H.:4

Hochverehrter Herr Capellmeister

Heute Morgen erhielt ich einen Brief von meinen Eltern in Folge dessen ich am Montage Abends Cassel zu verlassen genöthigt bin. Ein intimer Freund1 meines Vaters welcher in Frankfurt eingetroffen ist erwartet mich dort seit 8 Tagen um mit mir dem Wunsche meiner Eltern gemäß, nach Italien zu reisen. Wie sehr ich auch bedaure schon jetzt wieder Cassel verlassen zu müssen, da ich nichts wie mein Trio und die jetzige Symphonie bei Ihnen gearbeitet habe, so wäre es mir dennoch unmöglich meinen Eltern, die um jeden Preis wünschen daß ich mit dem obenerwähnten Herrn die Reise mache, zu widersprechen. Es würde nur in meinem Leben auch in Rücksicht auf meine wissenschaftliche Bildung2 schwerlich noch einmal so geboten werden. – Wenn es mir vergönnt sein dürfte Ihnen morgen zu jeder Tageszeit, meine beiden noch nicht durchgesehenen Symphoniesätze zu zeigen so würde ich Ihnen unendlich dankbar sein. Dies Ihnen mündlich zu sagen, war ich heute Nachmittag bei Ihnen fand jedoch Niemand in Ihrem Hause. – Auch bitte ich Sie schließlich hochverehrter H Capell. mir in Betreff der vergangenen Stunden meine Schuldigkeit anzugeben. –
In der höchsten Achtung Ihr

dankbarer Schüler H. Wichmann

Autor(en): Wichmann, Hermann
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Wichmann, Amalie
Wichmann, Ludwig Wilhelm
Erwähnte Kompositionen: Wichmann, Hermann : Sinfonien Nr. 1
Wichmann, Hermann : Trios, Vl Vc Kl, op. 10
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1845083040

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Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Wichmann an Spohr, 22.06.1845. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Wichmann an Spohr, 18.11.1845.
Da Wichmann in einem Brief an seine Eltern am 20.09.1845 berichtet: „Seit einigen Tagen bin ich in Rom“ (in: Hermann Wichmann, Frohes und Ernstes aus meinem Leben, Leipzig 1898, S. 241-244, hier S. 241), muss dieser Brief an Spohr deutlich früher entstanden sein. Der 20.09. war ein Sonnabend, seinem Brief zufolge reiste Wichmann an einem „Montage Abends“ aus Kassel ab. Sofern Wichmann für Reiseweg einschließlich „einiger Tage“ in Rom selbst nicht weniger als fünf Tage gebraucht haben sollte, bleibt Montag 08.09. als spätest möglicher Termin für seine Abreise, vielleicht eher der 01.09. Da Spohr erst am 16.08. von seiner Ferienreise zurückkehrte (vgl. Marianne Spohr, Tagebucheintrag 16.08.1845), kann dieser Brief nicht vor dem 17.08. entstanden sein, da Wichmann Spohrs Anwesenheit in Kassel voraussetzt. Demnach entstand der Brief zwischen 17.08. und 08.09.1845.

[1] Noch nicht ermittelt.

[2] Hier gestrichen: „auch“.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (25.11.2022).