Autograf: Musikverlag B. Schott's Söhne, Verlagsarchiv (D-MZsch)

Sr. Wohlgeb.
Herrn Hofkapellmeister 
August Kiel 
in 
Detmold.

Nebst einem 
Paquet Musi-
kalien in Pappe
gez. H.K.K.1


Cassel den 5ten 
März 1845. 

Hochgeehrter Herr, 

Beykommend erhalten Sie Partitur und Buch meiner neuen Oper. Da ich Sie nur von den geübtesten unserer Abschreiber copiren lasse, so hoffe ich, es wird die hier beyliegende Abschrift eine ganz correkte seyn; finden sich ja noch kleine Fehler, so sind es gewiß nur solche, die gleich in die Augen fallen.
Die Oper will, um Effekt zu machen, sehr genau zusammen gehen, und mit Sorgfalt in die Scene gesetzt seyn. Sie enthält viele Rezitative, a Tempo, die im strengsten Takt gesungen werden müssen. Da die Instrumentirung hin und wieder etwas stark ist, so wird es nöthig beym Sologesang das forte des Orchesters ein wenig zu dämpfen. Hinsichtlich der Besetzung des Orchesters mache ich Sie darauf aufmerksam, daß das Baßhorn oder die Orphecleide bey dieser Oper sehr wesentlich ist und daher nicht wegbleiben kann, ohne daß dem Efekt sehr geschadet wird. Auch eine Orgel ist unentbehrlich. Da diese aber in so vielen neuern Opern vorkommt, so zweifle ich nicht, daß Sie eine bey Ihrem Theater besitzen werden. Einige Nummern (z. B. die große Arie des Balduin zum Anfang des 3ten Akts sind für das Orchester sehr schwer; wenn sich aber die Geiger und Violoncellisten im Voraus ein wenig mit ihren Stimmen bekannt machen, so wird doch alles klar und rein. Die Tempi sind sorgfältig nach dem Mälzelschen Metronom bezeichnet; diese bitte ich daher zu Rathe zu ziehen. 
Indem ich nun mein Werk Ihrer Sorgfalt und Ihrem Wohlwollen empfehle unterzeichne ich mit wahrer Hochachtung 

Ihr 
ergebenster 
Louis Spohr

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Kiel, August
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Die Kreuzfahrer
Erwähnte Orte: Detmold
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Detmold>
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1845030508


Dieser Brief ist die Antwort auf Kiel an Spohr, 30.01.1845. Kiel beantwortete diesen Brief am 23.12.1845.

[1] Auf dem Adressfeld befindet sich rechts oben der Poststempel „CASSEL / 5 / 3 / 1845“, auf der Rückseite des zusammengefalteten Briefumschlags befindet sich der Stempel „N-1“.

Zunächst nach dem Antwortbrief erschlossen: Karl Traugott Goldbach (29.06.2016); nach dem Autograf ergänzt (19.02.2026).