Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Sr. Wohlgeborn
Hernn Capell-Meister
Dr Louis Spohr
in
Cassel.
franco.1
Hamburg d. 2ten Decbr 1844.
Herr Capell-Meister Dr Louis Spohr.
Wohlgeborn.
In den ersten Tagen des Januars k. J. beabsichtige ich in der von uns erbauten Tonhalle eine große musikalische Feier zu veranstalten, durch welche dieses, musikalischen Produktionen gewidmete Gebäude in würdiger Weise eröffnet werden soll.
Gleichwie ich dafür strebte, daß die Aufführung der Tonhalle in Hinsicht ihres Außern, ihrer Räumlichkeiten und deren Akustik ein Meisterstück der Tonkunst, eine Zierde der Stadt Hamburg werde; derselbe sich den ungetheilten Beifall aller Beschauer erwerbe: so wünsche ich nur, nach glücklich erreichtem Ziele auch, daß die erste musikalische Feier unter Aegide der größten jetzt lebenden Meister der Tonkunst stattfinde und dieselbe in den Annalen dieser dieses Tempels der Tonkunst in ruhmvollster Weise verzeichnet werden möge.
Ich wage es daher auch Sie hoher Meister der Tonkunst zu dieser Feier einzuladen und verbinde hiemit die Bitte: durch persönliche Leitung eines Ihrer Meisterwerke der Instrumental-Compositionen dieses Musikfest den Kennern und Freunden der Tonkunst unvergeßlich zu machen und der Grundstein zum höchsten künstlerischen Streben in Hamburg zu legen.
Der Celebrität Ihres Namens entsprechend; der Würde einer solch hohen Feier angemessenen Vorkehrungen haben bereits begonnen, welche ich öffentlich fortsetzen werde, wenn Sie mir Ihre Zusage zur wohlgewogentlichen Mitwirkung gemacht habe.2
Der frohen Hoffnung Raum gebend, daß Ew. Wohlgeborn Sich meinem Wunsche u meiner Bitte geneigt zeigen werden, erlaube ich mir in geschäftlicher Beziehung noch die Bemerkung hinzuzufügen, daß ich die Reisekosten u3 nach Ihren mir zu machenden Bestimmungen zurückerstatten u zu Ew. Wohlgeborn Aufnahme in Hamburg in einem unserer ersten Hotels Zimmer in Bereitschaft lassen werde.
Was Ew Wohlgeborn anderweitig noch zu bemerken für nothwendig erachten, wollen Sie freundlichst Selbst feststellen und mir Ihre Antwort recht bald, wenn irgend möglich, mit umgehender Post zu kommen lassen.
Im Falle daß Sie hochverehrter Herr Sr über die zu Anfang dieses Briefes genannte Zeit bereits verfügt haben sollten, so würde ich die Feier um einige Tage aufschieben können. Jedoch aber müßte dieselbe vor dem 1ten Februar stattfinden, weil an diesem Tage der erste Philharmonsiche Concert in der Tonhalle gegeben wird.
Zur Geschäfts Uebersicht meines Unternehmens lege ich Ew. Wohlgeborn eine Zeichnung u eine im Hamb. Corresp. veröffentlichte Beschreibung meiner Tonhalle bei.4
Mit hoher Verehrung
zeichne ich mich
ganz gehorsamst
G.A. Gross
Direcktor des Hamb. Volks-Gesang-
Vereins.
| Autor(en): |
Gross, Georg August |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: | |
| Erwähnte Kompositionen: | |
| Erwähnte Orte: |
Hamburg |
| Erwähnte Institutionen: |
Tonhalle <Hamburg> |
| Zitierlink: | https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1844120244 |
[1] Noch nicht ermittelt. – Zur Zeitschrift vgl. „Jahreszeiten. Unterhaltende Zeitschrift für Literatur, Kunst und öffentliches Leben“, in: Hamburger literarische und kritische Blätter 33 (1857), S. 536.
[2] Vgl. „Hamburg. (Die Otten’schen Konzerte)“, in: Rheinische Musik-Zeitung 8 (1857), S. 77ff., hier S. 78; „Man schreibt uns aus Hamburg“, in: Signale für die musikalische Welt 15 (1857), S. 69.
[3] Vgl. „München“, in: Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik 10 (1857), S. 238f., hier S. 239.
[4] Vgl. „[Die in Mannheim bestehende ,deutsche Tonhalle’]“, in: Bremer Sonntagsblatt 5 (1857), S. 79; Hetsch war allerdings in Mannheim tätig (vgl. „Auszeichnungen, Beförderungen“, in: Neue Zeitschrift für Musik 46 (1857), S. 111).
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (25.04.2023).