Autograf: Universitätsbibliothek Kassel, Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Brückenau am 22ten Aprill 1844

Sr Hochwohlgeboren Herrn Dr Spohr!!

Wir hoffen nicht, daß Sie es uns werden für ungut nehmen, daß wir uns diese Freiheit erlauben, und Ihnen mit diesem wenigen Schreiben belästigen; Hochgeehrtester Hr Dr Spohr, es wird Ihnen noch bewust seyn, daß vor mehren Jahren ein gewisser August Kömpel selbiger Zeit 6 ½ Jahr alt, Violinspieler sich von Ihnen prüfen ließ und ein gutes Zeugniß erhielt.1 Unser Vater2 nahm den verflossenen Herbst unsern lieben Bruder August mit auf die Reise; am 13ten Juli schrieb unser Vater aus Hamburg in Hoffen, er kommt in den nächsten Tagen nach Cassel, und mit Ihnen Hochwohlg. Hn Dr Spohr wegen weiterer Ausbildung des Kleinen zu sprechen; und kommt dann bald nach Hause, nach kurzer Zeit hörten wir Kunde von Würzburg, dass die Herrn, welche dem lieben August sehr gut und gewogen waren, viel Gutes für ihn bewirkt hatten, und ihn sehr bedauern, daß der Vater so mit ihm reiset, und ihn nicht in seyn Institut bringet, allein der Vater wisse von allem nichts, und der Kleine bekam früher zu wenig Instruktsjon3, nämlich er bekömmt jährlich 150 fl. Sekremendium4 aus dem Institut, und 100 fl. von Sr Königl. Majestät, welches wir uns doch gewiß für ein grosses Glück nehmen dürfen. Es sind nun schon wieder 2 Monate vorüber, und wir sehen und hören nichts von ihnen. Es wäre doch gewiß wunderschade, und sehr zu bedauern, wenn dieses Glück so vorüber ginge.
Hochgeehrtester Hr Dr Spohr möchten Sie doch unsere inständige Bitte uns nicht verübeln, und uns sobald wie möglich damit benachrichtigen, wann er von Cassel weggereiset ist, und welche Reise er von da aus nahm, und ihn so mit Briefen nachzusuchen, dass er sobald wie möglich nach Haus komt; den wir finden Tag und Nacht keine Ruhe, und da ist keinen Tag Zeit mehr übrig. Hochgeehrtester Hr Dr Spohr wie bitten Ihnen nochmal recht inständig, machen Sie uns diese Liebe bald möglichst. Stehet es in unsern Kräften nicht, Ihnen je einen Gegendienst zu erweisen; so werden wir doch den lieben Gott täglich bitten, und er wird Ihnen gerade dafür belohnen, doch sollten wir Ihnen je eine Gefelligkeit erweisen können, so stehen wir jederzeit bereitwillig in Diesten. Es zeichnet Ihnen aufs höflichste Ihre dankbare Freundin

Margarete Theresie Kömpel jr

Unsere Adresse ist an
Musikus Georg Kömpel
in Brückenau.

Autor(en): Kömpel, Margarete Theresie
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Kömpel, August
Kömpel, Georg
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Hamburg
Kassel
Würzburg
Erwähnte Institutionen: Musikschule <Würzburg>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1844042235

Spohr



[1] Vgl. Louis Spohr, Zeugnis für die Musikerfamilie Kömpel, Mai 1839.

[2] Georg Kömpel.

[3] Sic!

[4] Sic!

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (10.11.2022).