Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Hochverehrter Herr und Meister!

Ihrer gnädigen Erlaubniß zufolge übersende ich, vertrauend Ihrer Nachsicht, die Partitur meiner Oper. Was die Ouverure betrifft, so möchte ich in Bezug auf dieselbe fast den Wiunschaussprechen, dieselbe zuletzt anzusehen, da ich fühle, daß sie nicht das Beste der Oper ist. – Es liegen überhaupt fünf Jahre zwischen der Vollendung meiner Oper und der jetzigen Zeit. Manches würde ich jetzt1 wohl besser schreiben; doch weiß ich nicht ob ich begeisterter arbeiten könnte, als ich es damals gethan. Das Leben hat oft schwer in dieser Zeit auf mich gelastet u. mir manche trübe Wirklichkeit gezeigt, von der ich damals keine Ahnung hatte. Unendlich glücklich würde mich die Annahme meiner Oper bey der hiesigen Bühne machen, weil sie Folgen für meine Zukunft haben kann, die für mich wichtig und welche ich Ihnen Hochverehrter Meister gerne mündlich mittheilen würde.
Herrn Generaldirektor Feige habe ich mit dem Buche der Oper mit einigen Recensionen2, auch einen Brief Meyerbeers3 (welcher sie in Berlin zweimal hörte) an mich in Bezug auf dieselbe mitgetheilt, dabei aber vergessen, Herrn Hofrath Feige zu sagen, daß der Brief von der Gemahlin Meyerbeers, während seiner heftigen Augenentzündung, in seinem Nahmen an mich geschrieben wurde. Freundlichst u. ergebenst ersuche ich Sie daher Herrn Hofrath Feige dies zu erwähnen, im Fall derselbe Meyerbeers Handschrift vermissen sollte.
Mich nochmahls Ihrem Wohlwollen empfehlend zeichnet sich mit der größten Verehrung

Euer Hochwohlgeboren
ergebenster
Louis Huth.

Cassel
d 2t December:
1843.

Autor(en): Huth, Louis
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Feige, Karl
Meyerbeer, Giacomo
Meyerbeer, Minna
Erwähnte Kompositionen: Huth, Louis : Golo und Genoveva
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Königliche Schauspiele <Berlin>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1843120244

Spohr



Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Huth an Spohr, 11.12.1843.

[1] „jetzt“ über der Zeile eingefügt.

[2] Vgl. „Berlin, den 11. Juli 1841“, in: Allgemeine musikalische Zeitung 43 (1841), Sp. 586-591, hier Sp. 589; „Berlin, Ende Juli“, in: Zeitung für die elegante Welt (1841), S. 527f., hier S. 528.

[3] Noch nicht ermittelt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (11.04.2023).