Autograf: letzter Nachweis siehe Druck 2
Druck 1: Wertvolle Bücher, Autographen (= Auktionskatalog Hauswedell 134), Hamburg 1958, nicht paginiert (teilweise)
Druck 2: Autographen-Auktion 10. Oktober 2003 (= Schmolt Autographen-Auktionen 10), [Krefeld 2003], S. 230 (teilweise)
Faksimile: Ebd., S. 239 (teilweise)

((Herrn Musikdirektor Ed. Marxsen in Altona))


<Hochgeehrter Herr Musikdirector,
 
bevor ich mich erklären kann, ob ich Ihren Empfohlenen1 unter die Zahl meiner Schüler aufnehmen kann, wünschte ich näheres über seine Fähigkeiten und den jetzigen Stand seiner Ausbildung als Geiger zu erfahren. Ich habe in neuester Zeit mehrere junge Leute zugeschickt bekommen, die noch so weit zurück waren, daß ihnen mein Unterricht von keinem größeren Nutzen seyn konnte. [...] Die Schüler, die ich annehme, sollen in der Ausbildung des letztern schon so weit seyn, daß ich sogleich zum Einüben meiner vielen Kompositionen schreiten kann [...]> Vor allen Dingen muß aber die Intonation2 des Schülers vollkommen rein seyn3((, denn eine langjährige Erfahrung hat mich gelehrt, daß Verwilderung hierin auch bey)) dem besten Willen und ausdauernde Fleiße nicht ganz wieder zu beseitigen ist <und ich habe erst kürzlich einen Schüler nach 4 wöchentlicher Probe zurückschicken müssen, weil ihm das Ohr für reine Intonation versagt war. Ich bitte daher, daß Sie Ihren Empfohlenen gefälligst prüfen und mir dann melden wollen, ob er den Anforderungen, die ich an einen Schüler machen muß, genüge. – Im Übrigen würde seinem Eintritt zu Ostern nichts entgegen stehen, da bis dahin mehr[ere] meiner jetzigen Schüler abgehen werden.
Ich gebe jedem meiner Schüler 2 Unterrichtsstunden in der Woche,> deren jede mit 1 Rtlr Preuß[isch] bezahlt wird.
<Mit vorzüglicher Hochachtung
 
Ew. Wohlgeb
ergebenster
Louis Spohr>

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Marxsen, Eduard
Erwähnte Personen: Jacobsen, Johannes
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1843101014


Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Marxsen an Spohr. Marxsen beantwortete diesen Brief am 18.04.1844.
[Ergänzung 04.04.2026: Die ausschließlich in Druck 1 überlieferten Textteile sind mit doppelten runden Klammern (( )) gekennzeichnet, die ausschließlich in Druck 2 überlieferten mit dreieckigen Klammern < >.]
 
[1] Aus Marxens Antwortbrief geht hervor, dass es sich um Johannes Jacobsen handelt.
 
[2] In Druck 2 hier fälschlicherweise „Intention”.
 
[3] Bis hierhin nach dem Druck zitiert; im Folgenden nach dem Faksimile transkribiert.
 
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (17.11.2016). Zunächst nach Druck 2 ediert; Druck 1 ergänzt (04.04.2026).

[Ausführlicher Brief an] Herrn Musikdirektor Ed. Marxsen in Altona[, den Lehrer von Brahms, der Spohr um Aufnahme eines Schülers gebeten hatte. Sp. bittet um Nachricht, ob der Schüler genügend ausgebildet sei, um an seinem Unterricht teilnehmen zu können u. berichtet eingehend von den Anforderungen, die er an seine Schüler stelle. –] Vor allen Dingen muß aber die Intonation des Schülers vollkommen rein seyn, denn eine langjährige Erfahrung hat mich gelehrt, daß Verwilderung hierin auch bey)) dem besten Willen und ausdauernde Fleiße nicht ganz wieder zu beseitigen ist [– im übrigen könne er zu Ostern einen Schüler annehmen, er gäbe zwei Stunden in der Woche] deren jede mit 1 rtl. Preuß. bezahlt wird. [Unterschrift:] Louis Spohr.

Hochgeehrter Herr Musikdirector,
 
bevor ich mich erklären kann, ob ich Ihren Empfohlenen unter die Zahl meiner Schüler aufnehmen kann, wünschte ich näheres über seine Fähigkeiten und den jetzigen Stand seiner Ausbildung als Geiger zu erfahren. Ich habe in neuester Zeit mehrere junge Leute zugeschickt bekommen, die noch so weit zurück waren, daß ihnen mein Unterricht von keinem größeren Nutzen seyn konnte. […] Die Schüler, die ich annehme, sollen in der Ausbildung des letztern schon so weit seyn, daß ich sogleich zum Einüben meiner vielen Kompositionen schreiten kann […] Vor allen Dingen muß aber die Intention des Schülers vollkommen rein seyn […] dem besten Willen und ausdauernde Fleiße nicht ganz wieder zu beseitigen ist und ich habe erst kürzlich einen Schüler nach 4 wöchentlicher Probe zurückschicken müssen, weil ihm das Ohr für reine Intonation versagt war. Ich bitte daher, daß Sie Ihren Empfohlenen gefälligst prüfen und mir dann melden wollen, ob er den Anforderungen, die ich an einen Schüler machen muß, genüge. – Im Übrigen würde seinem Eintritt zu Ostern nichts entgegen stehen, da bis dahin mehr[ere] meiner jetzigen Schüler abgehen werden.
Ich gebe jedem meiner Schüler 2 Unterrichtsstunden in der Woche, deren jede mit 1 Rtlr Preuß[isch] bezahlt wird.
Mit vorzüglicher Hochachtung
 
Ew. Wohlgeb
ergebenster
Louis Spohr