Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Düsseldorf. d. 12t September 1843.
Sehr geehrter Herr Kapellmeister.
In der angenehmen Hoffnung daß diese Zeilen Sie im allererwünschtesten Wohlsein antreffen werden, bin ich so frei Ihnen eine Bitte vorzutragen, durch deren freundliche Gewährung Sie mich, so wie die ganze Direction des hiesigen Musikvereins zu lebhaftestem Dank verpflichten würde.
Ich wünsche nämlich in den Conzerten des nächsten Winters hier eine Reihe von Stücken aus Ihrer Oper Zemire und Azor aufzuführen. Es fehlt uns dazu vollständig die Orchesterbegleitung. Nur gewohnt stets an die rechte Quelle zu gehen, erlaube ich mir nun Sie zu fragen, ob Sie in der großen Güte sein wollen mir entweder die Partitur der genannten Oper auf einige Zeit zu leihen, damit wir uns die Orchesterstimmen ausschreiben lassen können, oder ob es durch Ihre freundliche verwendung möglich wäre: die vollständigen Orchesterstimmen aus der Kurfürstl. Theaterbibliothek leihweise zu erhalten? Da letzteres mit Umstände verknüpft, ja vielleicht ganz unmöglich sein dürfte, wir auch ohne Zweifel die Stücke öfter zur Aufführung bringen können, so wäre uns freilich mit der Partitur, durch die wir in Besitz der Stimmen kämen, am meisten geident, wenn Sie uns dieselbe anvertrauen wollen, indem ich Sie versichere, daß kein Mißbrauch mit den Stimmen getrieben werden wird u. dieselben zu unserm alleinigen Gebrauch verbleiben sollen.
Haben Sie die Gefälligkeit, verehrtester Herr Kapellmeister, mich möglichst bald durch einige Zeilen zu bescheiden, mir vielleicht, falls Sie nicht abgeneigt wären mir die Partitur anzuvertrauen, dieselbe zuzusenden. Für Emballage u. Mühe des Verpackens soll Ihrem Orchesterdiener1, der auch schon früher dergleichen für uns gethan hat, angemessener Entschädigung nicht ausbleiben, u. das Ausschreiben der Stimmen mit aller Schnelligkeit geschehen.
Entschuldigen Sie recht sehr wenn Sie irgend durch mein Anliegen belästigt werden, u. sein Sie versichert daß ich mich glücklich schätzen würde, wenn Umstände u. Zufall veranlaßten Ihnen wieder dienstfertig sein zu können.
Genehmigen Sie die vollständigste Verehrung u. Hochachtung von Ihrem ergebensten Diener
Julius Rietz.
| Autor(en): |
Rietz, Julius |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: |
Martin, Johann |
| Erwähnte Kompositionen: |
Spohr, Louis : Zemire und Azor |
| Erwähnte Orte: |
Düsseldorf |
| Erwähnte Institutionen: |
Musikverein <Düsseldorf> |
| Zitierlink: | www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1843091243 |
Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Rietz an Spohr, 23.09.1842. Spohrs Antwortbrief ist derzeit verschollen.
[1] Johann Martin.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (10.06.2022).