Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Hochwohlgeborener Herr
Hochgeehrter Herr Hof-Capellmeister
Ew. Hochwohlgeboren hoher und wohlgegründeter musikalischer Reisen giebt uns die Veranlassung und das Zutrauen, Ihnen folgende Bitte ergebenst vorzutragen.
Es bestehen in unserer Stadt 2 musikalische Vereine unter den Namen „Musikverein“ und „Liedertafel“ welche seit der versetzung des bisherigen Musikdirektors, des von Ew. Hochwohlgeboren früher unterrichteten Hermann Wolff aus Krefeld nach Halberstadt leider der tehcnischen Leitung entbehren.
Die Tendenz und Einrichtung des Musikvereins wollen Ew. Hochwohlgeboren aus den beifolgenden Statuten ersehen; die Liedertafel hat wie gewöhnlich, halb musikalische hab gesellige Zwecke, versammelt sich regelmäßig einen Abend in der Woche und veranstaltet zu weilen außerordentliche Festversammlungen. Unsre ganz ergebeste Anfrage geht nun dahin, ob Ew. Hochwohlgeboren vielleicht unter Ihren Schülern oder Untergebenen ein Musikus bekannt wäre, der die Direction dieser Vereine zu übernehmen qualificirt und geniegt sein möchte.
Als unerleßliche Bedingungen stellen wir außer einem sittlichen Lebenswandel und einiger geselligen Bildung nur:
tüchtiges Violinspiel
Fähigkeit auf dem Fortepiano und im Gesange guten Unterricht zu geben
Fähigkeit ein mäßiges Orchester und Chorgesang zu dirigiren
Für die Liedertafelwünschen wir, daß der Dirigent auch Sänger sei.
Wir geben dafür:
a, von jedem Vereine jährlich 100 Rth.
b, 2 kostenfreie Benefiz-Concerte, jedes höchstens auf 40-50 Rth. zu veranschlagen
Außerdem ist jetzt ein Hauptzweck des Vereins, dem hiesigen Publicum einen tüchtigen Musiklehrer zu sichern, und wird deshalb auch der Dirigenten für Musikunterricht bei weitem der größte Theil seiner Zeit frei bleiben. Unsre Stadt zählt 4000 Einwohner von denen die Mehrzahl, als den vielen hier concentrirten Behörden angehörig, zu der gebildeten Classe zu zählen ist. Ein guter Musiklehrer ist somit wahres Bedürfniß und findet in Ermangelungjeder erheblichen Concurrenz sicher alle Beschäftigung. Wolffs Einnahme betrug 700-800 Rth.
Wollen nun Ew. Hochwohlgeboren diese Offerte gütigst zur Kenntniß derjenigen unter Ihrer Leitung studirenden ausübenden Künstler bringen, welche Sie uns als tüchtig zu der geschilderten Stellung empfehlen würden, und die selben zu Meldungen veranlassen; so würden Sie sich um der Kultur der Musik in unsrer Stadt ein wesentliches Verdienst erwerben ins besondre aber uns zu dem allerwärmsten Danke verpflichten.
Mit ausgezeichneter Hochachtung haben wir die Ehre zu zeichnen
Ew. Hochwohlgeboren
gehosame Diener
die Vorsteher des hieisigen Musikvereins
und der Liedertafel
Tilman Sprickmann-Kerkerinck Schulte
Justizrath Land u. StadtGerichtsDirektor OberlandsGerichts-
Assessor
Arnsberg
den 6t September 1843
| Autor(en): |
Musikverein <Arnsberg> Schulte (Arnsberg) Sprickmann-Kerkerinck, Matthias Tilmann (Arnsberg) |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: |
Wolff, Hermann |
| Erwähnte Kompositionen: | |
| Erwähnte Orte: |
Arnsberg |
| Erwähnte Institutionen: |
Liedertafel <Arnsberg> Musikverein <Arnsberg> |
| Zitierlink: | https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1843090647 |
Spohr beantwortete diesen Brief am 15.09.1843.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (27.05.2026).