Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Triest, am 10. August.
1843.

Hochverehrtester Herr!

Möchten auch die Zeitschriften diesmal mehr gesprochen haben, indem sie melden: Sie seyn am 25sten July aus London abgereist. – Wie bin ich Ihrer Spur gefolgt, und wie bin ich hoffnungsfröhlich, Sie jetzt wieder in Cassel zu wissen, und sonach erwarten zu dürfen, daß Sie meinem untern 10. Juny gestellten Ansuchen in alter Gewogenheit willfahren, und dem dritten Jahrgange des Albums für Gesang ein treuer Gönner verbleiben!! –
So wiederhole ich denn meine bereits verharrend vorgetragene Bitte abermals, und lade Sie zur Mitwirkung an dem heurigen Jahrgang ein. Es ist aber auch in der That die höchste Dringlichkeit, mit welcher ich meine Bitte verbinde, da ich hier so fern sitze, und das Werk in Wien erscheint. Sey das Liedchen noch so klein, oder ein- oder mehrstimmig, nur etwas für Gesang aus Ihrer Feder, und Sie beglücken mich auf das reichlichste. Ihre Sendung wollen Sie gefälligt anher post restante gelangen lassen, da ich mein Quartier noch nicht fix gewählt.
Sie kommen triumphbeladen und lorbergewandet aus dem stolzen Albion: kein Weihrauch ist so rein, wie meines Herzens Freude darüber. Ich bedaure nichts so sehr, als daß unsere Begegnung in Carlsbad so flüchtig gewesen1, und ich nicht Zeit gewann, mir ein bischen von Ihrer Liebe zu gewinnen, die mich stolz machen würde … vielleicht haben Sie mein schon ganz vergessen.
Meinen ergebensten Handkuß an Ihre würdige Frau Gemahlin u. Fräulein Nichte2, der ich unter allen Verhältnißen des Lebens bin und bleibe

Ihr größter Verehrer
Rudolph Hirsch

Haben Sie vielleicht den vorjährig eingesandten Duetttext3 berücksichtigt? –

Autor(en): Hirsch, Rudolf
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Wehner, Pauline
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Karlsbad
London
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1843081045

bitlx


Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Hirsch an Spohr, 10.06.1843.  Da Spohr diesen Brief nicht beantwortete, sandte Hirsch am 05.09.1843 den nächsten Brief.

[1] Vgl. Marianne Spohr, Tagebucheinträge 08. und 09.07.1842

[2] Pauline Pfeiffer, später verh. Wehner.

[3] Vermutlich der dem Briefkonvolut beiligende Text „Die Lerche“ (auch gedruckt in: Boudoir-Lectüre für die fashionable Welt. Gesammtausgabe des Abbé Colibri, Boudoir-Bibliothek für die fashionable Welt, hrsg. v. E.M. Oettinger, Leipzig 1843, S. 230).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (10.11.2025).