Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Wohlgeborner Herr,
Hochgeehrter Herr Capellmeister!

Für Ew. Wohlgeboren gelegentliche Zusage, den jungen Range nach Abgang eines Ihrer jezigen Schüler zum Unterricht anzunehmen, danke ich Ihnen recht herzliche. Der junge Mann hat sich fortwährend durch ein äußerst anständiges und sittliches Betragen vortheilhaft ausgezeichnet; wie fleißig er gewesen ist, vermag ich weniger zu beurtheilen, weil ich den größern Theil des vergangenen Winters krank zugebracht und daher von musicalischen Sachen nicht viel gehört habe. Ich zweifle indessen nicht, daß er sich bemüth haben wird, Ihrem Rufe nachzukommen.
Sie waren ferner so gütig, eine Anfrage gegen Ende des Winter über den Zeitpunct, wo der p Range in Cassel eintreffen und seine Lehrzeit beginnen kann, mir zu erlauben. Diese ist nun der nächste Zweck der gegenwärtigen Zeilen; als secundäre verbinde ich aber damit noch die Bitte um gefällige Benachrichtigung, wie Ew. Wohlgeboren es mit Bezahlung des Honorares halte, namentlich ob deshalb auf einen gewissen Zeitraum vielleicht pränumerirt werden muß, damit die Mutter des jungen Menschen hienach ihre Einrichtung treffen kann.
Es wird mir viele Freude machen, noch einmal die Züge Ihrer Hand zu sehen und unmittelbar von einem Manne zu hören, den ich schon lange verehre. Nur einmal ward mir das Glück zu Theil,1 Ihr gediegenes Spiel bewundern zu können; später brachte einer Ihrer Schüler, ein gewisser Abel, Anklänge Ihrer Trefflichkeit in hiesige Gegend. Er hielt sich öfters einige Zeit an meinem Wohnorte auf; natürlich blieb sein Talent für die Liebhaber nicht unbenutzt.2 – Hochachtungsvoll

Ew. Wohlgeboren
ergebenster Diener
Dr. Kirchhoff

 

Autor(en): Kirchhoff, Wilhelm (Grimmen)
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Abel, Amadeus
Range (Mutter von Johann Range)
Range, Johann
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Grimmen
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1843031045

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Spohr an Kirchhof. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Kirchhof an Spohr, 21.01.1844.
Das Datum dieses Briefes dürfte sich aus Kirchhofs Bemerkung erschließen: „Sie waren ferner so gütig, eine Anfrage gegen Ende des Winter über denZeitpunct, wo der p Range in Cassel eintreffen und seine Lehrzeit beginnen kann, mir zu erlauben.“ Demnach könnte dieser Brief in der ersten Märzhälfte 1843 entstanden sein.

[1] Hier gestrichen: „Sie zu hören“.

[2] Bei einem Konzert am 12.11.1834 trug Amadeus Abel unter anderem ein Streichquartett von Kirchhoff vor („Concert in Grimmen (am 12ten November)“, in: Sundine 8 (1834), S. 371f., hier S. 372; vgl. W[ilhelm] Kirchhoff, „Grimmen, den 25sten November 1834. Keine Antikritik“, in: ebd., S. 384).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (11.11.2022).