Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

An Seine Wohlgeboren
Herrn Louis Spohr
Doctor der Tonkunst, Ritter und ersten churfürstl.
Hessischen Hofcapellmeister
zu
Cassel1


Verehrter Freund!

Noch vom Kampfe heiß, schreibe ich Ihnen um Ihnen zu sagen, daß wir so eben Ihre schöne Sinfonie aufgeführt haben. Was dabei thätig war, ersehen Sie aus dem beiligenden Programmen.2 Sie ging trefflich und wir stellten die beiden Orchester so gut auf, als ob der beschränkte Raum gestattete. Der erste Satz gefiel sehr und der zweite erregte einen wahren Beifallssturm. Das Presto befriedigte ebenfalls, nur der Schluß wollte weniger ansprechen. Man ist hier zu sehr ein Knalleffecte gewohnt.3 Im Ganzen war die Aufnahme sehr ehrenvoll.
Ihre gütigst zugesagte Ouverture hätten wir dies Jahr nicht entsprechend placiren können, aber es wird uns sehr angenehm sein, wenn Sie uns für unsern Cyclus 1844 die Partitur und wo möglich auch die Stimmen derselben zumitteln wollen. Für die gütigst überschickte Partitur Ihrer letzten Sinfonie danke ich verbindlichst. Wir haben auch zu rechter Zeit noch die gestochenen Stimmen bekommen und sie daraus gemacht. Unsere Concerte sind mehr als je besucht und erregen immer lebendigere Theilnahme, das eine Rückkehr zu einem beßeren Geschmackes Richtung andeutet. Einen umfassenderen Bericht verspare ich auf später. Noch haben wir zwei Concerte zu geben und man muß thätig sein, weil Proben und Productionen ununterbrochen auf einander folgen. Hr Walther aus Stuttgard war eben hier und ersuchte mich, Sie zu bitten, ihm antworten zu wollen.
Alles Herzliche von den Meinen die alle wohl sind an Sie und Ihre Frau Gemahlin, der ich meine Verehrung ausdrücken bitte.
Mit unveränderter Hochachtung und Liebe

der Ihrige
Lannoy.

Wien 9. März 1843.

Autor(en): Lannoy, Eduard von
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Walter, August
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Irdisches und Göttliches im Menschenleben
Spohr, Louis : Konzert-Ouvertüre im ernsten Stil, op. 126
Erwähnte Orte: Wien
Erwähnte Institutionen: Concerts spirituels <Wien>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1843030945

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Lannoy an Spohr, 10.12.1842. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Lannoy an Spohr, 25.12.1843.

[1] Auf dem Adressfeld befindet sich oben in der Mitte der Poststempel „Wien / 10. Mar“, daneben der Stempel „Franco / GRENZE“, auf der Rückseite des gefalteten Briefs der Stempel „15 MERZ 1843“.

[2] „II.
CONCERT SPIRITUEL
Donnerstag den 9. März 1843.
1. Irdisches und Göttliches im Menschenleben. Neueste Sinfonie für Doppel-Orchester, von
L. Spohr.
Erster Satz. Kinderwelt.
Zweiter Satz. Zeit der Leidenschaften.
Dritter Satz. Endlicher Sieg des Göttlichen.
(Die concertirenden Stimmen des ersten Orchesters werden von den Herren Jansa, Durst, Zäch, Merk, Slama, Zlerer, Ullmann, Klein, Hürtz, König und Chott ausgeführt.) […]“.

[3] Vgl. dagegen die nahezu vollständig entgegengesetzte Bewertung der Sätze von Groß-Athanasius [Pseud. f. Karl M. Groß], „II. Concert spirituel. Donnerstag den 9. März 1843, im Vereinssaale“, in: Allgemeine Wiener Musik-Zeitung 3 (1843), S. 125ff., hier S. 126. Siehe auch Carl Kunt, „Concert spirituels. Unter der Leitung des Freyherrn von Lannoy, der Herren Holz und Titze“, in: Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (1843), S. 517-520, hier S. 518f.; H-r, „Zweites Concert spirituel“, in: Humorist 7 (1843), S. 206f.; Thalhof, „Zweites Concert spirituel“, in: Österreichisches Morgenblatt 8 (1843), S. 123.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit nicht in den Anmerkungen anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (11.11.2021).