Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Hochgeehrter Herr Kapellmeister.
Mit diesen Zeilen bin ich so frei einen jungen Musiker, Herrn Carl Müller, bei Ihnen einzuführen. Derselbe ist hier in Düsseldorf als Violin und Klavierlehrer ansäßig und will die schönen Herbsttage benutzen um seine Eltern, die in Weißensee bei Weimar wohnen zu besuchen.1 Ich darf Sie versichern, daß Herr Müller ein rechter tüchtiger solider Künstler ist, der noch treu am alten Glauben hängt u. sich entfernt vom Charlatanismus u. der Flüchtigkeit unserer Zeit hängt, weshalb ich auch wohl überzeugt sein kann, daß Sie, verehrter Herr Kapellmeister, ihm eine freundliche Aufnahme werden angedeihen lassen. Namentlich will ich Ihnen nicht verhehlen daß ein recht inniger Wunsch des Herrn Müller erfüllt werden würde, wenn er so glücklich sein könnte Sie Violine spielen zu hören. Da ich aus eigener Erfahrung weiß wie freundlich Sie, wenn Zeit und Umstände es erlauben, dergleichen Wünschen Genüge leisten, so will ich für H. M. hoffen, daß Sie während seines Aufenthaltes in Cassel nicht mit Geschäften so überhäuft sind, so daß ihm nicht der Genuß eines Quartettes oder eine Sonate zu theil werden könnte. Sie könnten gewiß sein einem aufmerksamen und dankbaren Zuhörer in H. M. diese Freundlichkeit erwiesen zu haben.
In der angenehmen Hoffnung daß Sie diese Zeilen in allerbesten Wohlsein antreffen mögen u. daß ich Ihnen durch dieselben nicht beschwerlich gefallen bin, erlaube ich mir, auch mich Ihrer ferneren Wohlgewogenheit u. Freundlichkeit zu empfehlen, u. bitte Sie ergebenst auch Ihrer Frau Gemalin meinen verehrungsvollsten Gruß gütigst vermelden zu wollen. Mit ausgezeichneter Hochachtung Ihr sehr ergebener
Julius Rietz.
Düsseldorf. den 23st September
1842.
| Autor(en): |
Rietz, Julius |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: |
Müller, Carl (Düsseldorf) |
| Erwähnte Kompositionen: | |
| Erwähnte Orte: |
Kassel Weißensee |
| Erwähnte Institutionen: | |
| Zitierlink: | www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1842092343 bitlx |
Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Rietz an Spohr, 31.03.1837. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Rietz an Spohr, 12.09.1843.
[1] Zu Müllers Besuch in Kassel vgl. Spohr an Ferdinand David, 26.09.1842 und Carl Müller an Spohr, 07.11.1842.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (10.06.2022).