Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Hochzuverehrender Herr Kapellmeister

Sie waren immer so gütig und nachsichtig gegen mich, daß ich dadurch ermuthigt mir erlaube, Sie um eine recht große Gefälligkeit zu bitten, und da der vorliegende Fall für meine künftige Existenz leicht entscheidend werden kann, so hoffe um so eher, daß Sie, verehrter Herr Kapellmeister mir Ihren gütigen Beistand nicht versagen werden. Es wurde mir hier mitgetheilt, daß die Stelle eines städtischen Musikdirectors in Aachen erledigt sei und Herr Hauptmann ist der Meinung, daß ich mich wohl darum bewerben dürfe. Ich that das nun in einem Gesuch an den Oberbürgermeister von Aachen und da ich noch weiß, daß man diese Stelle nicht vergeben wird, ohne erst Ihren Rath eingeholt zu haben, so wollte ich Sie recht herzlich bitten, im vorkommenden Falle meiner gütigst zu gedenken. Seit kurzem habe ich die Fallersche Schauspielergesellschaft, wo ich 2 Jahre war, verlasse, um entweder nach Basel oder Regensburg zu gehen, was noch unentschieden ist. Dieses nomadisirendes Theaterleben sagt mir aber nicht mehr zu und zwar, weil ich das, was ich gewollt, eine tüchtige praktische Ausbildung erreicht zu haben glaube. Ich habe eine Schule der Erfahrungen durchgemacht, wie sie vielleicht wenigen Menschen zu Theil wurde, die aber für mich von größtem Nutzen war, und deßhalb hoffe ich auch geehrtester Herr Kapellmeister Ihrer Empfehlung keine Unehre zu machen.
Sollte sich mein Wunsch, nach Aachen zu kommen nicht realisiren lassen und Sie erführen vielleicht sonst etwas, wozu ich mich qualifizire, so bitte recht herzlich geehrter Herr Kapellmeister mich nicht zu vergessen und Herrn Hauptmann nur in wenigen Zeilen Mittheilung zu geben auf welche Weise ich am sichersten Nachricht erhalten dürfte.
Mit der ergebenen Bitte mich Ihrer Frau Gemahlin ganz gehorsamst zu empfehle, zeichne mit

Hochachtung und Ergebenheit
Ew. Wohlgeboren
ergebenster Diener
Ernst Grenzebach

Leipzig am 20t September
1842

Autor(en): Grenzebach, Ernst
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Aachen
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1842092013

bitlx


Der letzte erschlossene Brief dieser Korrespondenz ist Grenzebach an Spohr, Anfang Februar 1840. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Grenzebach, 28.12.1842.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (16.07.2024).