Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Druck: Simon Moser, Das Liedschaffen Louis Spohrs. Studien, Kataloge, Analysen, Wertungen. Ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte des Kunstliedes, Kassel 2005, Bd. 1, S. 64 (teilweise)
Inhaltsangabe: Folker Göthel, Thematisch-bibliographisches Verzeichnis der Werke von Louis Spohr, Tutzing 1981, S. 472 (teilweise)
Leipzig, am 4. August 842.
Hochverehrter Herr Hofcapellmeister!
Leider war es mir in Leipzig nicht vergönnt1, Sie zu sehen und zu sprechen, wonach ich mich so außerordentlich gesehnt, um so mehr, als ich in Carlsbad das Glück Ihrer persönlichen Bekanntschaft gemacht2, und nun auch Ihnen näher gerückt glaube, als sonst die todten Schriftzüge zu würden verstehen. Ein tüchtiges, ja, peinliches Kopffieber warf mich auf das Lager, von welchem ich kaum erstehe, und schon die Feder ergreife, um an Sie zu schreiben. Ich bedaure sehr, daß ich meine Bitte nicht mündlich vortragen kann und sie der Feder vertrauen muß. –
So komme ich denn abermals als Suplicant im Name der guten Sache. Obwol mein Verleger im vorigen Jahre mit dem Album für Gesang nicht durchdrang und nicht einmal auf die materiellen Herstellungskosten kam. So hab ich ihn denn hier zur Genüge blokirt, daß er es mit dem zweiten Jahrgang wagen will. Wie vor einem Jahre rufe ich auch heute Ihren Beistand an, und bitte Sie herzlich, mir ihn ja nicht zu versagen; fehlten Sie: der größte Theil meines guten Muthes sänke ein, und ich ieße zum Schluße wohl gar den halben Bau unvollendet da stehen. – Der letzte Termin, den ich Sie großherzig zu berücksichtigen bitte, ist Ende August. Ich bin zugleich so kühn Ihnen ein paar Texte vorzulegen; vielleicht besagt Ihnen der eine oder der andere, und Sie leihen ihm Ihr Adlerschwingen. Gefällt Ihnen nichts von den mitgeschickten Versen zu neuer Betonung, so halte ich um irgend ein älteres Gesangsstückchen an und hoffe von Ihrem Edelmuth, daß Sie mich in diesem äußerst schwierigen Unternehmen nicht verlassen, mir im Gegentheil Ihren väterlichen Rath und Beistand in Wort und That zuwende werden.3 Zugleich bin ich vom Verleger ermächtigt, Sie um unumwundene Angabe des Honorares zu ersuchen, welches ich Ihnen gleich nach Einsendung des Manuscriptes zu übermitteln die Ehre haben werde –
Wie befinden Sie sich nach dem Genuße des Carlsbader Wasserparadies? wie Ihre Frau Gemahlin und Fräulein Nichte4? Bitte schönstens mich der liebenswürdgen Clavier-Dillethantin bestens zu empfehlen und ihr meinen Handkuß zu vermelden, so wie auch der freundlichen Nichte, die noch mit einem Liedervortrag in meiner Schuld steht, meine ergebenste Erinnerung mitzutheilen.
Es hat zu meinen schönsten Freuden des Lebens gehört, Sie und die Ihren persönlich kennen gelernt zu haben. Nur Ein Wunsch bleibt in mir, daß Sie meiner auch mehr, ob ganz flüchtig, gedenken möchten, der ich mit wahrer unbeschränkter Verehrung zeichne
Ihr
treu
ergebenster
Dr Rudolf Hirsch
| Autor(en): |
Hirsch, Rudolf |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: |
Wehner, Pauline |
| Erwähnte Kompositionen: |
Spohr, Louis : Lieder, Sgst Kl, WoO 108 |
| Erwähnte Orte: |
Karlsbad Leipzig |
| Erwähnte Institutionen: | |
| Zitierlink: | https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1842080445 |
Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Hirsch an Spohr, 20.12.1841. Spohr beantwortete diesen Brief am 28.08.1842.
[1] Vgl. Marianne Spohr, Tagebucheintrag 26.07.1842.
[2] Vgl. Marianne Spohr, Tagebucheinträge 08. und 09.07.1842
[3] Vgl. Album für Gesang mit Originalbeiträgen […], hrsg. v. R[udolf] Hirsch, Bd. 2, Leipzig 1843, Spohrs Beitrag hier S. 57ff.
[4] Pauline Pfeiffer, später verh. Wehner.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (10.11.2025).