Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Meiningen, d. 23 Dec. 41
Lieber Herr Kapellmeister,
Ich bin so frei Ihnen in dem Ueberbringer dieses Herrn Friebe aus Breslau zu empfehlen: – er ist blind u. bedarf schon deshalb der Unterstützung um durch das Leben zu kommen; – außerdem aber ist er auf seinem Instrument, der Flöte, so geschickt daß er unser Publicum enthusiasmirt hat u. dabei ist er ein höchst liebenswürdiger, gebildeter Mensch; – nicht wahr, ich thue keine Fehlbitte, wenn ich ihn Ihrer Protection empfehle? –
Aus dem Engagement des Braunschweiger Violinisten1 ist nichts geworden, – nachdem er die ihm vorgelegten Bedingungen eingegangen u. das Besoldungsdecret mit nach Braunschweig genommen hatte, stellte er von dort nur Bedingungen, deren Erfüllung unmöglich war; – es hat mir sehr leid gethan, daß wir ihn nicht annehmen konnten, da er wirklich ein sehr talentvoller Mensch ist; – es schien mir aber gleich, als benutze er hier die Umstände um sich in Braunschweig zu verbessern, was im Grunde niemand zu verargen ist. – Wie sind Sie mit dem jungen Mahr zufrieden? – ich für meine Person wäre gar nicht abgeneigt wenn sie ihn für fähig halten, ihn für unsere Vacanz vorzuschlagen. – Wann erscheint Ihr neues Werk2 mit dem doppelten Orchester in Druck? – Ich bin außerordenlich darauf gespannt und kann gar nicht erwarten es kennen zu lernen; wenn ich nicht glaubte unbescheiden zu seyn mögte ich Sie wahrlich bitten es mir im Manuskript (in Stimmen) auf 14 Tage zu schicken; – Der Verleger würde dadurch keinen Schaden haben, denn ich kaufe es dennoch wie alle Ihre Compositionen, – u. Sie würden es ohnversehen nach 14 Tagen in bestem Stand zurück erhalten. – Jedoch wage ich kaum es zu hoffen!
Mit Lorenz sind wir sehr zufrieden, – er ist ein tüchtiger, geschickter Mensch; an Knoops Stelle haben wir einen Schüler von Kummer, Nahmens Metzner, der ganz ausgezeichnet ist, sowohl im Orchester als in Solosachen, u. dabei ein charmanter Mensch, was mir besonders bei Quartettabenden in meinem Hause nicht ohne Wichtigkeit ist, da ich mit3 meinen Quartetttisten gerne nur mit Repetitionen umgehe. – Ich grüße Sie herzlichst, so wie Ihre liebe Frau u. Ihre Ida u. Wolff u. wünsche Ihnen frohe Festtage! – ich habe im Fest die Zauberflöte; – unser Herzog ist von seiner Reise glücklich wieder bei uns eingetroffen; – es war großer Jubel u. allgemeine Illuminationen – –
Es grüßt Sie herzlich
Ihr
Eduard Grund.
| Autor(en): |
Grund, Eduard |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: |
Bernhard II Sachsen-Meiningen, Herzog Friebe, J.G. Knoop, Georg Lorenz, Gottlieb Mahr, Johann Carl Sebastian Metzner, Carl Wilhelm Wolff, Ida Wolff, Johann Heinrich |
| Erwähnte Kompositionen: |
Mozart, Wolfgang Amadeus : Die Zauberflöte Spohr, Louis : Irdisches und Göttliches im Menschenleben |
| Erwähnte Orte: |
Meiningen |
| Erwähnte Institutionen: |
Hofkapelle <Braunschweig> Hofkapelle <Meiningen> |
| Zitierlink: | https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1841122339 |
Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Grund an Spohr, 09.09.1841. Spohr beantwortete diesen Brief am 04.01.1842.
[1] Noch nicht ermittelt.
[2] Irdisches und Göttliches im Menschenleben.
[3] Hier gestrichen: „mit“.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (06.07.2026).