Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Druck: Simon Moser, Das Liedschaffen Louis Spohrs. Studien, Kataloge, Analysen, Wertungen. Ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte des Kunstliedes, Kassel 2005, Bd. 1, S. 63 (teilweise)
Inhaltsangabe: ebd., Bd. 2, S. 93
Leipzig, am 21. Septemb. 841.
Hochverehrtester Herr!
Aus Anlaß eines von mir herauszugebenden „Album für Gesang“1 gebe ich mir die Ehre, Sie ergebenst einzuladen, jenes Unternehmen mit einem Beitrag aus ihrer classischen Feder schmücken zu wollen. Zwölf der ersten deutschen Komponisten bilden den Kreis, und wie könnte ich säumen selbst auf die Gefahr hin, eine abschlägige Antwort zu erhalten, den großen lebenden Ahnherrn deutscher Sache nicht einzuladen?! – Ich habe bereits durch 8 Wochen einen Brief ähnlichen Inhalts durch Buchhändlergelegenheit an Sie gelangen lassen, doch hat es den Anschein, daß mein Schreiben sein Zeil nicht erreichte, derweil mir keine Antwort zu Theil worden. Da indeß die sämmtlichen anderweitigen Beyträge, (darunter auch Mendelsohn so gütig war, ein mir seine edle, uneigennützige Mitwirkung angedeiehen zu lassen2) bereits eingegangen, und mit dem Stich des „Album’s“ begonnen werden muß, um es zu Weihnachten versandt haben zu können, so stelle ich an Hochdieselben die gehorsamste Bitte, mir recht bald, wo möglich, binnen 14 Tagen Ihre Willensmeinung mittheilen zu wollen, ob nun Lied, Romanze, Ballade, Arie oder Duett: Ihre classischen Töne sind in jeder zufälligen Gestalt höchstwillkommen. – Ich schmeichle mir, daß Sie, hochverehrtester Herr! in Anbetracht der guten Sache mir Ihren Beitstand nicht entziehen werden; auch dürfte Ihnen meine „Gallerie lebender Tondichter“ (Guns 1836)3 schon lange gesagt haben, wie tief meine Verehrung für Sie wurzle, und wie schwer es mir jetzt fallen müßte, Sie in jenes Album nicht einschließen zu können.
Es würde zu den angenehmsten Freuden meines Lebens gehören, Ihnen wie immer und wann und wo die sehr, lautere und unbegränzte Verehrung an den Tag legen zu können, mit welche ich, in Entgegensehung Ihrer freundlichen Zuschrift4 mich zeichne
Hochdero
gehorsamster
Dr Rudolf Hirsch
Redakteur des Kometen!!
| Autor(en): |
Hirsch, Rudolf |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: |
Mendelssohn Bartholdy, Felix |
| Erwähnte Kompositionen: |
Spohr, Louis : Lieder, Sgst Kl, WoO 105 |
| Erwähnte Orte: | |
| Erwähnte Institutionen: | |
| Zitierlink: | https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1841092145 |
Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Hirsch an Spohr. Spohrs Antwortbrief ist derzeit ebenfalls verschollen.
[1] Vgl. Album für Gesang mit Originalbeiträgen […], hrsg. v. R[udolf] Hirsch, Bd. 1, Leipzig 1842, Spohrs Beitrag hier S. 73ff.
[2] Vgl. Felix Mendelssohn Bartholdy an Hirsch, 08.09.1841, in: Felix Mendelssohn Bartholdy, Sämtliche Briefe, Bd. 8, hrsg. v. Susanne Tomkovič, Christoph Koop und Sebastian Schmideler, Kassel 2013, S. 193; Felix Mendelssohn Bartholdy Correspondence Online-Ausgabe (FMB-C). Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft. Humboldt-Universität zu Berlin, gb-1841-09-04-01.
[3] Rudolph Hirsch, Gallerie lebender Tondichter. Biographisch-kritischer Beitrag, Guns 1836, zu Spohr hier S. 155-158.
[4] Hier gestrichen: „ich“.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (10.11.2025).