Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Meiningen, d. 9 Sept. 41
Lieber Herr Capellmeister,
Herrn Möricke habe ich bereits geschrieben, daß Sie seines Empfohlenen wegen an mich sich gewendet, – der junge Violoncellist hat viel Talent, – in Abwesenheit des Herzogs ist aber nichts zu unternehmen u. wir bedürfen eines als Solospieler ausgezeichneten Violoncellisten, da sowohl der Hof als das Publicum durch Knop’s Leistungen verwöhnt sind. – Aber wie leid that es mir für Sie u. für Emilie selbst, daß solche hat Deutschland mit America vertauschen müssen! – hoffentlich wird sie sich in Bremen mit Empfehlungsbriefen für Newjork versehen haben. – es ist durch Unterrichten dort viel zu verdienen, ein junger Bakemann aus Bremen, ein Bekannter meiner Schwester ist dort u. verdient ganz bedeutend mit Clavierstunden, da die Preise dort sehr hoch sind. – Wenn Sie wünschen sollten, daß ich durch meine Bekanntschaften in Hamburg ihr Empfehlungsbriefe nachschicke, so melden Sie es mir gefälligst durch ein Paar Zeilen, nebst der Adresse Ihrer lieben Tochter; – man kann dort der Briefe nicht genug haben u. es ist nicht gar keine Schwierigkeit verbunden, Briefe zu verlangen. – hoffentlich wird es ihr gelingen ihre Zwecke zu erreichen u. die Besorgnisse derer zu zerstreuen, die sich für ihr Wohlergehen so lebhaft interessiren, wie es bei allen ihren Angehörigen u. Allen, die sie gehört haben, natürlich ist. –
Herr Happ war gestern bei mir, – es scheint es verzöge ihn nach Prag zurückzukehren, theils aus Anhänglichkeit an seinen Director, dem er sich verpflichtet glaubt, theils auch, weil er sich in Prag wohlgefällt u. er dort öfter Gelegenheit hat etwas Gutes zu hören: – die Anstalt besteht noch fort u. Happ scheint jetzt nicht zu fürchten, daß sie so bald eingehen könnte; – Happ ist enthusiasmirt von dem Violinspieler Ghys1, den ich ebenso wenig leider gehört habe, als alle andern belgischen Violinvirtuosen. – Wie sind Sie zufrieden mit dem jungen Mann? – er scheint bedeutendes Talent zu haben, nicht wahr? – ich hoffe, daß wir ihn einmal in unsere Kapelle bekommen u. es wird ihm um so leichter werden, da er ein Landeskind ist, für die unser Herzog immer ein besonderes Interesse hat. –
Wie freut es mich, daß Hauptmann sich noch verheirathet hat. – Grüßen Sie ihn doch herzlich, – mein Bruder Wilhelm, der mit ihm gereist ist, hat mir von ihm erzählt. –
Mein Leben ist recht Freundlichkeit; – meine Frau ist eine herrliche Frau die mir auf alle Weise das Leben angenehm macht, – aber Familie hat sie mir bis jetzt nicht gebracht; – ich bereue jetzt daß ich nicht schon vor 15 Jahren geheirathet habe – Es thut mir so leid, daß ich Sie so lange nicht gesehen habe, ich hoffe, mit der Eisenbahn wird es anders werden. – Den künftigen Sommer gehe ich vielleicht mit meiner Frau u. meiner Schwägerin Elise, die bei uns zu Besuch ist, nach Hamburg u. Bremen u. dann werde ich gewiß nicht anstehen, die Reise über Cassel zu machen u. Ihnen unsere Aufwartung zu machen –
Leben Sie wohl, lieber Herr Capellmeister, meine Frau grüßt Sie u. Ihre liebe Frau Gemahlin mit mir auf’s herzlichste, – so wie Ihre Tochter Ida u. Wolf. –
Ihr Sie innig liebender
Eduard Grund.
| Autor(en): |
Grund, Eduard |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: |
Bakemann Bernhard II Sachsen-Meiningen, Herzog Ghys, Joseph Grund, Emma Happ, Wilhelm Hauptmann, Moritz Knoop, Georg Möricke, Friedrich Sengstack, Elise Wolff, Ida Wolff, Johann Heinrich Zahn, Emilie |
| Erwähnte Kompositionen: | |
| Erwähnte Orte: |
Bremen Hamburg New York Prag |
| Erwähnte Institutionen: |
Hofkapelle <Meiningen> |
| Zitierlink: | https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1841090939 |
Dieser Brief ist die Antwort auf Spohr an Grund, 24.08.1841. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist 23.12.1841.
[1] Vgl. Wilhelm Happ an Spohr, 24.11.1840.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (20.07.2026).