Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Frankfurt a/m, den 26. July 1840

Geehrter Herr Kapellmeister

Entschuldigen Sie gütigst, daß ich Sie mit einem kleinen Schreiben, eine ergebene Bitte in persönlichen Angelegenheiten enthaltend, belästige. Doch zuvor grüße ich Sie mit der früheren Anhänglichkeit und Liebe, und wünsche, daß diese Worte Sie gesund und fröhlich auf oder nach Ihrer Reise antreffen mögen.
Sie werden sich erinnern, daß ich im Begriffe bin, Frankfurt zu verlassen, um mich aus bürgerlichen Rücksichten mit meiner Familie in meiner Vaterstadt Hamburg niederzulassen. Nachdem ich diesen Entschluß gefaßt und einige nöthige Schritte bereits gethan hatte, wurde mir von Hamburg gemeldet, daß dort eine musikalische Stelle erledigt sey, nämlich die eines beamteten Gesanglehrers am Johanneum, d. i. Real- u. gelehrte Schule daselbst. Da sich mir vor der Hand keine andere Stellung dort bietet, als durch Privatunterricht meine Existenz zu sichern, so ergriff ich gerne diese Gelegenheit, mich zu melden. Darauf ist mir brieflich mitgetheilt, daß trotz der bedeutenden Konkurrenz viele der Wahlstimmen für mich genommen seyen, daß indessen derselben aus Unkenntniß meiner sich weigerten, es daher wohl zu rathen sey, wenn ich einige Urtheile aus authentischm Munde über1 den Grad meiner Fähigkeiten beibringen würde. Da ich mir nun schmeichle, schon früher, nachdem ich Hamburg verlassen hatte, Ihres erfreulichen Umgangs genossen zu haben, und da ich überzeugt bin, daß in jetziger Zeit Ihr Urtheil in der Kunst das meiste Gewicht und führendes Gepräge besitzt, so appelire ich an Ihr gütiges Wohlwollen, mir einige Zeilen zu dem Zwecke zu schenken, wodurch Sie mich noch inniger verbinden würden.
Daß ich dieses Gesuch durch die Hand der Herrn Hauptmann gehen lasse, müssen Sie entschuldigen. Es schien mir der geeignetste Weg zu seyn, um es bald in Ihre Hände gelangen zu lassen, indem ich befürchten muß, daß die Herren des Scholarchates bald zur Wahl schreiten können, und ich an verschlossene Thür treten würde.2 Sollte dieser Brief Sie noch im Norden, oder gar in Hamburgs Nähe antreffen, und es Ihnen besser gefallen, das Attest direct nach Hamburg ergehen zu lassen, so bitte ich Sie, dasselbe an den Herrn Senator Pehmöller zu adressiren, wodurch auch Zeit gewonnen würde, obgleich mir dadurch die Freude entginge, einen persönlichen Gruß von Ihrer Hand zu empfangen.
In der Hoffnung, daß Sie mir auf diese Weise eine freudige Aussicht in Zukunft fördern helfen, und mir Ihre Freundschaft nicht entziehen, sage ich Ihnen im Voraus meinen innigsten Dank.
Meine Familie, Frau und drei kleine allerliebste Grazien grüßen in Ihnen den principem omnium.

Mit wahrer Hochachtung
Ihr ergebener
C. Voigt.

Adr. Frankfurt vor dem Schaumainthore.

Autor(en): Voigt, Carl (Frankfurt)
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Pehmöller, Christian Nicolas
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1840072645

Spohr



[1] Hier gestrichen: „meinen“.

[2] Die Stelle erhielt Johann Friedrich Klapproth (vgl. Zu der öffentlichen Prüfung der sechs Klassen der Gelehrten-Schule […], Hamburg 1841, S. 20).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (13.02.2025).