Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Hochwerther Herr Kapellmeister!

Der Ueberbringer dieses, Herr Bergmann von hier ist die Veranlassung, zu der Freiheit welche ich mir hiermit nehme, einige Zeilen an Sie zu richten, und da derselbe noch so dringend darum ersucht hat, so werde ich hoffentlich gütige Entschuldigung bei Ihnen finden.
Dieser junge Mann, Sohn eines der hiesigen Landbereiter1 hat nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen, sch eine Existenz zu begründen, nunmehr den Entschluß gefaßt sich der Bühne zu widmen und glaubt durch seinen ziemlich klangreiche Baßstimme sich einigen Erfolg dabei versprechen zu dürfen. Ich wage nicht eine Ansicht darüber auszusprechen da ich ihn zu wenig gehört und noch überhaupt keiner Beurtheilung für fähig halte. Er versichert, schon vor einigen Jahren die Absicht gehabt zu haben, Sänger zu werden, und eine Prüfung die Sie damals mit ihm vorgenommen, sei nicht ungünstig für ihn ausgefallen, nur haben damals Familienverhältnisse ihn von der Ausführung zurückgehalten. Jetzt ist der junge Mann in einer ziemlich prekaren Lage, da sowol seine eigenen Aeltern als auch seine Schwiegereltern (er ist verheirathet) die Hand von ihm abzuziehen drohen, wenn er nicht zu einem bestimmten „Erwerbszweig“ greife und in dieser Verlegenheit kommt er zu mir und bittet mich inständig ihm zu seinem Vorhaben behülflich zu seyn. Herr Bergmann ist nicht ohne Talent, vielleicht fehlte ihm bisher die bestimmende Richtung um noch etwas auch sich zu machen, der Wunsch, dies nach Kräften fördern zu helfen, lä0t mich bei Ihrem mir bekannten menschenfreundlichen Sinne hoffen, daß Sie mir die Belästigung mit diesen Zeilen gütigst verziehen werden.
Mit ausgezeichneter Hochschätzung verharre ich als

Ihr
stets ergebener
JHartm. Pfeiffer

Spangenberg am 15. November 1839

Autor(en): Pfeiffer, Johann Hartmann
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Bergmann (Spangenberg)
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1839111530

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Pfeiffer an Spohr, 07.02.1837.

[1] Vgl. Kurfürstlich Hessisches Hof- und Staats-Handbuch (1839), S. 409.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (09.08.2022).