Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Druck: Simon Moser, Das Liedschaffen Louis Spohrs. Studien, Kataloge, Analysen, Wertungen. Ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte des Kunstliedes, Kassel 2005, Bd. 1, S. 62 (teilweise)
Hochzuverehrender Herr,
Es fällt mir nicht schwer, Ihnen, dem Dichter(???) und Meister es begreiflich zu machen, daß uns der Beifall der Stimmberechtigten unsre Arbeiten recht lieb machte; daß er uns in Augenblicken, wo die Mißstimmung über die Gegenwart mit dem Reiz der Vergangenheit verdunkelt, Muth und Beruhigung ertheilt. So werden Sie es mir auch glauben, daß ich mich glücklich fühle, seitdem ich durch den mir lieb gewordenen Herrn Guenter(???) erfahren habe, daß Ihnen die „Juliopfer“1 ein Interesse für den Verfasser der Dichtung eingeflößt haben.
Ob sich eine Dichtung in ihrem ganzen Umfange für die Composition eignet, muß natürlich Ihrem Ermessen anheimgestellt bleiben. Wäre es möglich, möchte ich durch Ihre Vermittlung mich bei der Zukunft am Liebsten einschmeicheln. Ich, als Laie in der Musik, dachte, daß sich uns derselben ein modernes Oratorium construiren lasse. Zu leichten Aenderungen, die vielleicht erforderlich wären, würde ich mich leicht verstehen. Wer weiß, vielleicht bedarf es nur eines Vorsatzes von Ihnen; wer weiß, ob Sie nicht jetzt schon eine deutsche Marseillaise dazu gedichtet haben?
Sie wünschen einige kleine Lieder. Ich freue mich mit diesem Wunsche und lasse nicht lang auf mich warten; Sie erhalten ein ganzes Dutzend für Haus und Kirche.
Erst diesen Morgen erhielt ich von einem jungen Componisten Eduard Marxsen eine Sendung von fünf meiner Lieder, die von demselben in Musik gesetzt dieser Tage bei Breitkopf und Härtel erschienen sind.2 Derselbe hat auch meinen „trauernden Rabbi“ vor Kurzem hier herausgegeben.3 Dieses kleine, mir besonders liebe Gedicht besitze ich auch in handschriftlicher Composition von Conradin Kreutzer. Um das Verzeichniß vollständig zu machen, muß ich noch einer Composition von Hemele(???) in Paris, auch hier erschienen, gedenken .
Erfreuen sich mich bald mit einigen Zeilen und genehmigen Sie die Versicherung
meiner Hochachtung
Dr Ludwig Wihl
Hamburg 25 Aug.
1839.
| Autor(en): | Wihl, Ludwig |
| Adressat(en): | Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: | Guenter(???) Marxsen, Eduard |
| Erwähnte Kompositionen: | Kreutzer, Conradin : Der trauernde Rabbi, Sgst Kl Marxsen, Eduard : Lieder, Sgst Kl, op. 32 Marxsen, Eduard : Der trauernde Rabbi, Bar Kl |
| Erwähnte Orte: | |
| Erwähnte Institutionen: | Böhme <Hamburg> Breitkopf & Härtel <Leipzig> |
| Zitierlink: | www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1839082547 |
[1] Ludwig Wihl, „Die Juli-Oper“, in: Telegraph 2 (1838), S. 1505-1509, 1513-1518 und 1524-1527.
[2] Op. 32.
[3] Erschienen bei Böhme (vgl. C.F. Whistlings Handbuch der musikalischen Literatur, 3. Aufl., Bd. 1, Leipzig 1844, S. 148).
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (07.04.2022).