Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Meiningen, d. 4 März, 39 

Liebster Kapellmeister,

Sie wünschen durch mich zu wissen, welche Art die Leistungen des jungen Happ, Neveu des alten guten Bärwolf’s sind. – Auf der Violine hat er eine reine Intonation & viele Fertigkeit, so daß er Ihre schwersten Compositionen spielt, – es fehlt ihm jedoch noch am Geschmack; - dasselbe gilt auch von seinen Composizionen, – er hat Gedanken u. auch harmonische Fertigkeiten, - aber auch hier fehlt’s noch am Geschmack. – Außerdem ist er ein ganz vortrefflicher junger Mensch, rein von Gemüth u. von Sitten und bürgerlich gesund, so daß er nicht leicht Nervenschwäche empfinden wird. – Wenn Sie etwas für ihn thun könnten, wird es gut angewandt seyn. – Mitte April gehe ich nach Bremen, wo Anfang Mai meine Hochzeit seyn wird. – Jetzt hab‘ ich gar mancherlei mit der Einrichtung zu thun; – das kostet viel Geld, u. noch mehr wird es nach der Hochzeit kosten; – es würde mir lieb seyn, wenn Sie mir manchmal einen Schüler, einen von den vielen Ueberzähligen, zuweisen könnten; – ich muß jetzt für das Glück meiner Familie sorgen u. bin auch ernstlich zu jedem Opfer bereit. – Im Mai kehre ich nach Meiningen zurück u. habe die Absicht, meiner jungen Frau vorher Cassel zu zeigen, – sie hat noch nichts von der Welt gesehn als Bremen, Hamburg u. die lüneburger Heide. – Ich freue mich Sie dann wiederzusehn u. wünsche nicht mehr als daß Sie nicht etwa dann von Cassel abwesend sind. –
Ich bitte Sie um die herzlichsten Empfehlungen an Ihre liebe Frau u. alle die Ihrigen 

Ihr Sie innigst liebender 
Eduard Grund.

Autor(en): Grund, Eduard
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Grund, Emma
Happ, Wilhelm
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Bremen
Hamburg
Kassel
Meiningen
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1839030439


Dieser Brief ist die Antwort auf Spohr an Grund, 24.02.1839. Spohr beantwortete diesen Brief am 01.10.1839.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (21.07.2026).