Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287 (teilweise)

[…] Pathenstelle in Betreff der zarten Frühlingskinder Ihres Geistes, Ehre machen werde und hoffe auch, daß Letztere, unter meiner Hand in Bezug der weitern Aus- und Fortbildung, dem würdigsten Vater noch mehr Freuden bereiten werden, so daß Sie mir ähnliche und ebenso bedeutungsvolle Pathenstellen für die Zukunft gern zu übertragen, wohl geneigt sein dürften. Die Lieder1 so wie das Duo2 sind das Liebste und Schönste, was ich mir fürerst vorzüglich wünschte, denn kein anderer Meister vermag Ihnen darin würdig nachzukommen! und Betreff3 der Lieder gebührt Ihnen noch insbesondere das Verdienst, daß Sie erst im Reiche des Gesangs eine neue Bahn eröffneten und in den wundersamsten Harmonien die Gottheit der Töne und des Gesanges, dem Herzen lebendig fühlbar enthüllten! Auch mit dem gestellten Preise von 75 Rth. bin ich sehr wohl zufrieden und um dieses noch lebhafter zu beweisen: so hätte ich am Liebsten den Betrag sogleich mitgesandt, wenn nicht anderweite Reflectionen mich einstweilen noch daran abgehalten. Sollte aber die Zählwoche einigermaßen ergiebig sein, oder bis da schon ein anderweites Kapital zum fernern Betrieb meiner diesjährigen größern Verlagsunternehmungen schon eingelaufen sein: so würde es mir zum besonderen Vergnügen gereichen, Ihnen noch vor Ihrer Abreise den Betrag zu übersenden. Andernfalls muß ich aber bitten, sich bis zur Ankunft des Manuscripts oder aber bis zu der wohlgefälligen schleunigen Anzeige von dessen Vollendung sich zu gedulden, wonach ich dann mit freudigstem Danke das mir überdies mit so vieler und unverdienter Güte ermäßigte Honorar sofort berichtigen werde! Aber das schöne Duo! – Ein guter Hirt weidet rühmlich seine Schäflein und das Herz blutet ihm, das Eine oder Andere verloren zu haben! Ein so schönes Brüderpaar! die edelsten der Zwillingsgeschwister des Lenzes können unmöglich im ersten Entstehen von einander getrennt werden und verschiedenartige Hofmeister (Verleger) Gestalt und Bildung erhalten! nicht wahr? Der Erste – (mein bescheidnes und unbescheidnes Ich –) der Beste! d. h. in schlichter Prosa – wer zuerst kommt, malt zuerst! Auch das schöne Duo geben Sie mir?! Und machen dadurch meine Freude vollkommen!4 den Preis werden Sie gewiß wieder so stellen, daß ich damit eben so sehr zufrieden bin.!5
Ich fühle es wohl: – es scheint oder klingt meine Bitte etwas unbescheiden. Ich würde sie daher auch als kleinlich (auch) gewiß nicht wagen, wenn nicht harte und erschütternde Unglücksfälle mehrer Jahre, mir und wenn auch nur auf einige Zeit, die möglichste Erleichterung wünschenswerth machten: da ich aber die erfreulichsten Aussichten habe, auf das Baldigste nochmals ein recht glücklicher Mann zu werden, um dann Alles reichlich ins Gleiche zu bringen, so werden Sie es nie zu bedauern haben, daß Sie mit so wahrhaft väterlicher Güte, meinen wärmsten Empfindungen für Ihre6 mir so theures [Wo]hl7 und meinen sehnlichen Wünschen durch das ehrenvollste Vertrauen und Wohlwollen entsprechen. O wie glücklich würde es mich machen, wenn Sie dann den Debit aller Ihrer fernern Werke unter den annehmlichsten Bedingungen mir zu übertragen wohlgeneigt sein dürften! – 
Im Novitätenbericht werde März8 vorläufig den Preis der siebten Sammlung als den gewöhnlichen mit 1 Rth. 8 ggl.9 angeben:10 vielleicht könnten Sie mit kunstgeschickter Hand es11 so zweckmäßig einrichten, daß es der richtige wäre; sollte vielleicht auch das Werk etwas mehr wie sechs Bogen Notendruck fassen; bei Ihrer so großen Geschicklichkeit und Güte wird es Ihnen überdies auch bei mir, auf ein Lied mehr oder weniger gar nicht ankommen! –
Ich empfehle mich am Schluß Dero fernern mich wahrhaft beglückenden Wohlwollen angelegentlichst und indem ich zugleich bitte, mich Ihrer so se[hr] schätzbaren Familie bestens zu empfehlen, habe die Ehre, mich mit unbegrenzter Hochachtung zu nennen
Dero

wahrhaftigsten Verehrer und
dankbarst gehorsamsten Diener 
Dr. Sturtevant12

Halle, den 8. Mai 1838

Autor(en): Sturtevant, James Sterlei
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Duos, Vl Kl, op. 112
Spohr, Louis : Lieder, Sopr/Ten Kl, op. 105
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1838050856


Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Sturtevant an Spohr, 24.04.1838. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Sturtevant an Spohr, 01.11.1838, aus dem sich noch ein derzeit verschollener Brief von Spohr an Sturtevant erschließen lässt.

[1] op. 105.

[2] Das Duo für Klavier und Violine op. 112 erschien 1840 bei Wilhelm Paul in Dresden.

[3] Sic!

[4] Hier gestrichen: „und“.

[5] Interpunktion: Sic!

[6] Sic!

[7] Textverlust durch Riss im Autograf.

[8] „März“ über der Zeile eingefügt.

[9] „mit 1 Rth. 8 ggl.(???)“ über der Zeile eingefügt. „1 Rth. 8 ggl.(???)“ schwer leserlich durch mehrfache Korrektur; vermutlich der von Helmuth analog zur den Liedern op. 103 (erschienen 1838 bei Breitkopf & Härtel) angesetzte Preis.

[10] Lieder op. 103, erschienen 1838 bei Breitkopf & Härtel; den Preis (1 Taler 8 Gr.) setzte Helmuth auch für op. 105 an.

[11] Hier gestrichen: „eben“.

[12] Unterschrift von anderer Hand

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Axel Beer (12.03.2026).