Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Herrn Spohr 
K. Kapellmeister 
in 
Hessen-Cassel.1


London January 26. 1838 

Sir 

It is my intention to present a series of performances of German operas in London, for 30 nights, on 2 or 3 nights a week beginning at the middle2 of april and to continue till june – I intend to engage first rate singers, chorus, and orchestra – and to perform the operas of Faust. Jessonda. Euryanthe. Der Freischutz. Oberon. Agnese, Sargino, or Fidelio – every arrangement will be on a small scale but get on a plan of first rate exellence – and I shall be happy to engage you to preside over the orchestra – Will you state if upon will come this Country for that purpose, and what sum of Money you will require – I beg an immediate letter in answer, addressed to me as under 

George Reeve Esq 
Mr Sam’s Library 
Sr James’s Street 
London 

Dear Sir 
Your Obedient Servant
GWReeve 
Professor of Music 


P.S. 
Herr Professor Reeve hat unlängst mich von seiner Absicht unterrichtet, eine deutsche Oper im Laufe d. J. in London zu etabliren, und gewünscht, ihm einige Auskunft zu geben, als auch Vorschläge zu der Ausführung zu machen, welches denn die Ursache ist, daß er sich an Ew. Wohlgeboren wendet, um die Oper zu dirigiren. 
Ich bin überzeugt daß sein Unternehmen guten Erfolg haben wird, wenn die ausgezeichnetesten Sänger und Sängerinnen engagirt werden können, um mit der Intalianischen Oper (Mde Grisi, Albertazzi pp Signore Rubini , Tamburi3 und Lablache) zu rivalisiren. Wann H. Haitzinger und Mde SchroederDevrient pp hier waren, gefielen außerordentlich, die Vorerwähnten waren damals nicht in der Ital. Oper, im nächsten Jahre die deutsche Oper mit anderen Sängern gefiel nicht sehr, oder vielmehr mießfiel. 
Seit dieser Zeit hat jedoch die Musik deutscher Componisten mehr Freunde gefunden, so daß zu meiner Freude selbst Lablache vor 2 Jahren die große Arie von Faust jedoch mit italiänischen Worten mit großem Beifall verschiedenemale gesungen, von Jessonda das schöne Duett, schönes Mädchen ist in’s Englische übersetzt, und mit dem besten Erfolg gesungen worden. Die Engländer im allgemeinen sind Verehrer der deutschen Meister-Werke, dann von anderen Nationen. Herr Reeve hat seinen Plan Ihrer Majestät der Königin bereits vorgelegt, und hat mit dero Kammerherr nothwendige4 Rücksprache genommen, und die Genehmigung unter Versicherung ihrer Patronage erhalten. Die Königin allgemein beliebt, spielt gut Piano, und singet auch gut, und protegirt Musik außerordentlich. Machen Sie verehrter Herr Kapellmeister es möglich, von Seiner Königl. Hoheit dem MitRegenten Hessens die Erlaubniß zu erhalten, nach London zu kommen um eine deutsche Oper wieder ins Leben treten zu laßen, Sie werden dadurch ein noch größeres Verdienst sich erwerben. – Neben H Reeves Engagement welches sicher ist, man wird Ihnen ohne Zweifel von Seiten der Philharmonie, Ancient Concert, Exeter Hall5, wo die neuesten Kirchen Compositionen aufgeführt werden, und vielleicht Manchester, Birmingham etc Anerbieten machen so daß die Reise sich vollkommen bezahlt.
Ich habe H. R. vorgeschlagen an H. Schwarz in Wien zu wenden welches er auch gethan hat, ich habe ihm H. Wild, Schmetzer pp Heinefetter pp vorgeschlagen. An Schroeder hat er bereits geschrieben. Haitzinger wünscht er nicht, da das Publicum was Neue haben will, und so glaube ich würde er vorhiehen anstatt Schroeder eine andere Ausgezeichnete zu haben. Jedoch alles wird von Ihnen abhängen und bestimmt werden können, wenn Sie sein Anerbieten annehme n wollen. Er will Orchester und Chorus engagiren vielleicht könnten Sie unser Kaßelaner Personal herschaffen. Ist Foeppel noch dort, ich glaube er würde als Baritonist gefallen. 
Ich bin durchaus nicht betheiligt, im Unternehmen des H. R. kann Sie aber versichern daß Sie es mit einem sehr honetten Mann zu thun haben, und daß ich bereit bin, Ihnen jede weitere Auskunft zu geben, als, auch jeden meiner Landsleute hier wo ich kann nützlich und behilflich seyn will. Ich verharre 

Ew Wohlgeboren 
ergebenster 
Brandau

Da das Papier zu Ende ist, so ist auch eine weitere Schreiberey unmöglich, ich werde mir die Erlaubniß nehmen an Sie umgehend zu schreiben, und fernere Mittheilungen machen. Der alte Freund Stumpf ist wohl auf.



Aus Spohr an Eduard Roeckel, 20.02.1838 geht hervor, dass Spohr diesen Brief nicht beantwortete.

[1] Auf dem Adressfeld befindet sich rechts oben der Poststempel „FRANKFURT / 3. FEBR. / 1838 / 3-4“, auf der Rückseite des zusammengefalteten Briefumschlags der nur unvollständige Stempel „[...]EI 1838“.

[2] „middle“ über gestrichenem „end“ eingefügt.

[3] Sic!

[4] „nothwendige“ über der Zeile eingefügt.

[5] Konzertstätte der Sacred Harmonic Society.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (30.07.2026).