Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Wohlgeborner,
Hochgeehrtester Herr!
Ihre freundliche Zusage hat mich ganz glücklich gemacht! – Schon freute ich mich daß Ihr werthes Schreiben mir die Möglichkeit darbot, Ihnen eine kleine Gegengefälligkeit zu erzeigen, obwohl die Sache selbst, das Verfahren, die Nachläsigkeit1 des Mons. Sturm mich höchlichst und um so mehr indignirte, als ich die Ueberzeugung hatte, daß zu der gedachten Zeit 1 Clavierauszug, 1 Duett, 1 Arie u. das Finale aus dem Alchymist an mich gelangt, war und der Betrag dieser Sachen, so wie Seiten meiner, so gewiß auch Seiten der übrigen Interesenten sofort berichtiget worden war. Allein als ich mich bei einigen der hiesigen Handlungshause – wozu die Bemerkung, daß Sie auf kaufmännischen Wege die Schuld einzucasiren versucht hätten, mich führte – deshalb Erkundigung einzog, erfuhr ich: wie vor bereits einigen Wochen Frege & C. in Leipzig2 an Meusel & Schulz allhier sich gewendet und von letztbenannter Handlung der schuldige Betrag von Mons. Sturm herausgearbeitet worden, die Zahlung aber jenem Leipziger Handlungshause übermacht worden sey. Da diese Angaben zuverläsig sind, so werden Sie ohnfehlbar bald von Frege oder Ihrem Casseler Handlungshause daselbe Resultat erfahren, und wäre diese Angelegenheit nicht bereits endlich abgemacht, so würde ich sofort die säumigen, unartigen Schulden zu Erfüllung seiner Schuldigkeit, nöthigenfalls durch Inhibition seines Organistengehalts, anzuhalten gewußt haben. Ich bin auf diesen Menschen sehr böse; nur der Gedanke daß er, der aller 14 Tage in unserer, durch Schinkels Hand restaurirten und in artistischer Hinsicht so trefflich wiederhergestellten Hauptkirche, die Kirchenmusik aufzuführen und dabei meinem und anderer Musikfreunde Wunsche zu accomodiren sich stets bereitwillig gezeigt hat, mag ihn für diesmal noch vor persönlichen Vorwürfen sichern. So hat er uns am vorigen Sonntage den Chor: „der du mit Allgewalt“ mit der eisernen Fuge in der Kirche zum besten gegeben, soll nach und nach mehreres aus jenem köstlichen Oratorium bei sonntägl. Feier aufführen und in der nächsten Charwoche den herrlichen Canon mit dem Schluß-Choral, der in unsrer Academie längst eingeübt ist, zur Aufführung bringen.
Sollte jedoch, was nur zu wünschen ist, wiederum einmal eine Subscription zu einem Ihrer Werke eröffnet werden, so bitte ich Sie, Sich deshalb an mich zu wenden, ich werde sehr gern mich solchem Geschäfte unterziehen. –
Indem ich nun der gnädigst zugesicherten Pieçen mittelst Zusendung durch die Post seiner Zeit entgegensehe, erlaube ich mir zu abschläglicher Berichtigung der Copialien 10 Rth. in 2 Cassenanweisg. a 5 Rth. hier beizuschließen, mit der Versicherung, daß der dann etwa noch fehlende Betrag bei Eingang der Sachen mit nächster Post von mir eingesendet werden soll, da die Entnahme der Gelder durch Postvorschuß bei uns etwas hochkommt. Uebrigens bitte ich mir Ihre Briefe u. Zusendungen unfrankirt aus.
Während ich schon vorläufig Ihnen, verehrtester Meister! für Ihre freundliche Bereitwilligkeit meinen innigsten Dank bezeuge, verharre ich mit größter Hochachtung
Euer Wohlgeboren
ganz ergebenster Diener
Carl Gottlob Friedrich.
Zittau
am 6ten Septb.
1837.
P. S. Noch habe ich dieses vergesen, 1.) die Bitte: daß von dem der Scene no. 12. vorgehenden Duett (Sopr. u. Ten.) die letzten 42 Takte mit copirt werden möchten, da diese zur Scene einleitenden Takte mir im Duett fehlen, u., weil es einzeln ausgezogen worden war auch wegbleiben mußte, um einen Schluß zu bekommen, desen es nunmehr nicht bedarf.
2.) habe ich vor 2-3 Jahren gelesen, daß dem Schlußsatze: „Ja Geliebte, bald die Meine“ eine ächt spanische Melodie zu Grunde liege, besinne mich überhaupt auch noch recht wohl, wie in jenem Aufsatze die Aufmerksamkeit auf den Alchymist rege gemacht wurde, kann aber, trotz allem Nachforschen nicht mehr auf jene Anzeige zurückkommen.3 Um nun aber zu wisen, was man eigentlich genießt, (denn auch den edelsten Wein will man mit Namen zu nennen wisen) ersuche ich Sie noch ergebenst: mir nur mit einer kurzen Bemerkung in dieser u. vielleicht anderer Beziehung (Fandango) das nähere Verständniß gefälligst zu eröffnen. Ich fühle allerdings, welch ein beschwerlicher Gast ich für Sie bin, und kann dabei nun auf Ihre anerkannte Nachsicht hoffen.
Fr.
| Autor(en): |
Friedrich, Carl Gottlob |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: |
Sturm, Carl Theodor |
| Erwähnte Kompositionen: |
Spohr, Louis : Der Alchymist Spohr, Louis : Des Heilands letzte Stunden |
| Erwähnte Orte: | |
| Erwähnte Institutionen: |
Singakademie <Zittau> |
| Zitierlink: | https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1837090647 |
Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Spohr an Friedrich.
[1] Sic (auch im Folgenden)!
[2] „in Leipzig“ über der Zeile eingefügt.
[3] Dies ist vorläufig auch unser alles Nachforschen!
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (15.07.2026).