Autograf: nicht ermittelt
Abschrift: Hochschul- und Landesbibliothek Fulda (D-FUl), Sign. HLB B 78 (teilweise)

[…] Sowohl die gute Erfindung als das Streben nach thematischer Verbindung, die gute Kenntniß der Instrumente u. ihrer Effekte haben mich gefreut.
Aber eine gute Form besonders in der Modulation fehlte. Diese in der Natur begründete u. durch lange Erfahrung bewährt, erlaubt nicht, gleich nach dem Thema in der Moll Tonart desselben zu beginnen, welche zur Fortführung im 2ten Theile aufgespart werden muß. Noch weniger aber gestattet sie dem Mittelsatz in der Unter Quinte statt Oberquinte, was ganz aus der Tonart herausbricht, u. eine Uebersicht der Form unmöglich macht. Auch fehlt es Ihren Rhythmen noch an Symmetrie, so ist die 2te Hälfte des Mittelsatzes gegen die Breite im 1ten viel zu kurz. Bey der canonischen Nachahmung ist noch eine Unbehilflichkeit bemerkbar […]

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Nau, Johann Heinrich
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Nau, Johann Heinrich : Ouvertüren, Orch
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1836091314

Spohr



Der Schluss des ersten Satz’ in diesem Fragment („haben mich gefreut“) deutet darauf hin, dass es sich hier nicht um die Abschrift eines regulären Zeugnis’, sondern eines Ausschnitts aus einem Brief darstellt. Da sich Nau in seinem Brief vom 14.09.1836 für Spohrs Durchsicht seiner Ouvertüre bedankt, könnte er sich dort auf dieses Fragment beziehen. Sollte diese derzeit spekulative Zuordnung zutreffen, entstand dieser Brief – einen Postweg von wenigstens einem Tag vorausgesetzt – bis spätestens 13.09.1836.
Nau bezieht sich in seinem Brief an Spohr, 21.02.1837 auf dessen Empfehlung, „gute Compositionen in Partitur zu studiren“, die ebenfalls aus diesem Brief stammen könnte.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (01.07.2022).