Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287[Gehe:8
Sr. Wohlgeboh.
Herrn Hofkapellmeister
Dr. Louis Spohr
zu
Cassel
fr.1
Verehrter Freund
Es gewährt mir Vergnügen, Ihnen zu melden, daß, nachdem Ihre Weihe der Töne zweymal hier von der Hofkapelle aufgeführt worden2, jetzt auch Jessonda in 9 Tagen eine dreymalige, mit vielem Beyfall gekrönten Darstellung hier gefunden hat.3 Diese Darstellung war viel gerundeter, wie die frühere vor 11 Jahren. Die Heinefetter hatte die Hauptparthie mit Fleiß einstudirt und sagte mir, daß sie in dieser Oper nun überall, wohin sie komme, aufzutreten wünschen werde. In der 1sten und 2ten Vorstellung wurden Alle gerufen und die Ouverture, das Duett nach der Introduktion, Jessondas Arie, das 1te Finale, der Kriegschor, das Selamduett, Nadoris Arie und Duett, das Finale, im 3ten Akte das Terzett, Jessondas Arie und das 3te Finale beklatscht. In der 3ten Aufführung hatte die Direktion die Preise erhöht, dennoch war schon am Tage vorher kein Billet mehr zu haben. Die Heinefetter, da sie in dieser Rolle vom Publikum Abschied nahm, und diesmal allein gerufen. Nun wird die Oper wohl einige Zeit ruhn, doch wahrscheinlich nach der Devrient Rückkunft wieder auf das Repertoire kommen, denn alle Sänger Wächter Derska, die Schneider4 und Risse hängen mit Liebe an dieser Musik. Leider hat die Schneider jetzt in ihrer Stimme etwas Rauhes und Grelles, so daß ihr Duett mit Nadori etwas darunter litt. Reissiger ist sehr erfreut über das Gelingen der Oper, an welcher nur das jetzige Ballett gegen den früheren Waffentanz zurückstand. Damals standen die Schützen hier und leisteten in Schwingung der Lanzen und Schwerter Kunstreiches. Doch das ist Nebensache.
Herzlich grüßend in großer Hochachtung
Ihr
ganz ergebenster
E Gehe
Dresden
den 9t Februar
1836
| Autor(en): |
Gehe, Eduard |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: |
Derska, Johann Joseph Heinefetter, Sabine Risse, Carl Schröder-Devrient, Wilhelmine Schubert, Maschinka Wächter, Johann Michael |
| Erwähnte Kompositionen: |
Spohr, Louis : Jessonda |
| Erwähnte Orte: |
Dresden |
| Erwähnte Institutionen: |
Hofkapelle <Dresden> |
| Zitierlink: | www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1836020946 bitlx |
Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Gehe an Spohr, 08.03.1825.
[1] Auf dem Adressfeld befindet sich links oben der Poststempel „DRESDEN / 9 Feb 36“, auf der Rückseite des zusammengefalteten Briefumschlags der Stempel „13FE[B]1836“.
[2] Vgl. C[arl] B[orromäus] von Miltitz, „Dresden“, in: Allgemeine musikalische Zeitung 38 (1836), Sp. 116-119, hier Sp. 116; „Dresden“, in: Iris im Gebiete der Tonkunst 24.12.1835, ohne Paginierung.
[3] Vgl. „Dresden, Februar“, in: Morgenblatt für gebildete Stände (1836), S. 219f. und 228, hier S. 220; „Dresden, 14. Februar“, in: Iris im Gebiete der Tonkunst 7 (1836), S. 36.
[4] Maschinka Schneider, ab 1837 verh. Schubert.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (17.04.2025).