Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms . Hass. 287

Wohlgeborner Herr, 
Höchstverehrter Herr Kapellmeister!

Die Gewogenheit, welche Sie in einem ähnlichen Falle einer Gesellschaft hiesiger Musikfreunde bewiesen, läßt es mich wagen, Ihre Güte aufs neue in Anspruch zu nehmen. Der hiesige Gesang-Verein, dessen Direction ich seit einiger Zeit bin, hatte vom Herrn Musiklehrer Schwaan in Rostock 8 Clavier-Auszüge Ihres Oratoriums: „Des Heilands letzte Stunden“ genommen. Der herrliche Genuß, den uns dasselbe in unsern Zusammenkünften gewährte ließ bald den Wunsch in uns entstehen, und den Dank des hiesigen Publicums durch Aufführung desselben am nächsten Char-freitage zu erwerben.1 Die Hoffnung, welche uns Herr Schwaan machte, mit Ihrer gütigen Erlaubniß schon Weihnachten gegen die Schreibgebühr uns eine Partitur zukommen lassen zu können, ließ uns die mögliche Erfüllung dieses Wunsches erwarten. Jedoch versichert Herr Schwaan in einem mir vorliegenden Briefe, daß der die Partitur bis dahin nicht erhalten habe, aber bereits an Sie verehrter Herr Kapellmeister, um die gefällige Zusendung geschrieben habe.2 
So möchte ich mir nun die gehorsamste Bitte erlauben, ob Sie uns im Laufe dieses Monats nicht gegen die Schreibgebühr eine Partitur des Oratoriums überlassen, oder uns die Frage, ob Herr Schwaan noch vor Anfang des Monats März dieselbe empfangen werde, möglichst bald beantworten wollten.3 
Entschuldigen Sie die Dreistigkeit dieser Bitte, deren Gewährung mit mir die Gesellschaft, deren Leitung mir übertragen ist, zur lebhaftesten Dankbarkeit gegen Sie verpflichten würde. 
Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung empfehle ich mich 

Ew. Wohlgeboren 
gehorsamst 
A. Griewank, 
Lehrer am Gymnasium. 

Wismar in Mecklenburg-Schwerin
d. 7ten Febr. 1836

Autor(en): Griewank, August
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Schwaan, Friedrich
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Des Heilands letzte Stunden
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Gesangverein <Wismar>
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1836020745


[1] Die Bitte um eine Abschrift richtete noch nicht Griewank, sondern der Direktor des Vereins, Moritz Ludwig Wilhelm Maßmann, an Friedrich Schwaan (vgl. Schwaan an Spohr, 01.07.1835).

[2] Vgl. Schwaan an Spohr, 13.12.1835 

[3] Der Postweg von Griewanks Brief an Spohr überschnitt sich offensichtlich mit der Übersendungen der Abschrift durch Spohr an Schwaan, 02.02.1836.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (10.02.2026).