Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Wohlgebohrner
Hochgeehrtester Herr Kapellmeister!

Zufolge der mir mündlich gegebenen gütigen Erlaubniß Ihre, uns so vielfach bewiesene Gewogenheit ferner in Anspruch nehmen zu dürfen, bin ich so frei mich wieder schriftlich an Sie zu wenden.
Zuerst erlauben Sie mir daß ich die1 Ehre habe, Ihnen zu Ihrer vollzogenen Verlobung mit dem Fräulein Pfeiffer, meinen aufrichtigsten Glückwunsch abzustatten; möge die Allgüte Sie hochverehrtester Herr Kapellmeister, durch die Verbindung so glücklich werden lassen als Ihr hoher Geist es verdient, dann wären meine und meiner Töchter frommen Wünsche für Sie erfüllt.
Letztere üben fleißig, nach der ihnen durch Ihre Güte angewiesene Methode, sie leben nur in dem Bestreben sich in ihrer Kunst zu vervollkommnen und sich der von Ihnen günstig genährten Erwartung würdig zu machen.
Ich habe für die Pianistin2 ein Pianoforte von Schiedmeier aus Münster gekauft, welches einen kräftigen und schönen Ton und schweren Anschlag hat; der Sängerin3 habe ich die, durch Ihre Güte mir bekannt gewordene Gesangschule gekauft; beide haben bereits seit unserer Zurückkunft von Cassel sehr große Fortschritte gemacht und ich darf glauben, daß sie, bei fortwährendem Fleiße4 bis zum Frühling fähig sein werden öffentlich aufzutreten, dennoch wäre mein Plan, d. h. wenn Sie hochverehrtester Herr Kapellmeister denselben genehmigen, gegen Ende April d. J. nebst meinen Töchtern wieder nach Cassel zu kommen und nach dem die, von ihnen ausgeübten Musik-Stücke, mit den Herren Schmitt und Grenzbach durch gemacht wären, sie öffentlich auftreten zu lassen. – Meine gehorsamste Bitte5 an Sie wäre mir gütigst wissen zu lassen, ob Sie diesem Plan Ihre Genehmigung geben und ob Sie denselben ausführbar finden.
Ich habe an die Herren Schmitt und Grenzbach ebenfalls wegen dieser Angelegenheit geschrieben
Meine Töchter empfehlen sich gehorsamst Ihrer fortwährenden Gewogenheit
Ich bitte, beikommendes Paquetchen Ihrem Fräulein Tochter Therese gütigst zukommen zu lassen und die Versicherung der vorzüglichsten Hochachtung zu genehmigen mit der ich die Ehre haben mich zu nennen

Euer Wohlgeborn
gehorsamste Dienerin Verw.
Doct. Hüger geb. Callenberg

Oelde d. 9t. Dezemb.
1835

Reg. Bez. Münster
über Paderborn

Autor(en): Hüger, Antonia
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Callenberg, Antonia
Grenzebach, Ernst
Hüger, Bettina
Schmidt, Christian Heinrich
Spohr, Marianne
Spohr, Therese
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Kassel
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1835120947


Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Hüger an Spohr, 10.06.1835.

[1] „die“ über der Zeile eingefügt.

[2] Antonia Callenberg.

[3] Bettina Hüger.

[4] „Fleiße“ über der Zeile eingefügt.

[5] „Bitte“ über der Zeile eingefügt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (24.11.2025).