Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,238

Frankfurt 21 Novb 183[5]1

Theurer Freund!

Vor Abgang der Post theile ich Ihnen das Resultat meiner Unterredung mit Herrn Strauss mit. Herr St. der vor Weihnachten in Wien zurück sein muß, hat bereits Engagements in Darmstadt, Heidelberg, Carlsruhe u.s.w. angenommen, und ein Ausflug nach Cassel werde ihn wenigstens 6 Tage rauben, und den Plan seiner Rückreise durchaus zerstören. Unter diesen Umständen muß er darauf verzichten, Ihrer Einladung zu folgen und zwar mit dem größten Bedauern, da er sehr gewünscht hätte, Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen. Auch in pecuniärer Hinsicht ist es für H. St. immer gewagt, die bereits eingeleiteten Engagements gegen eine in Aussicht gestellte Einnahme aufzugeben, um so mehr, da seine Kosten bei einem Personale von 26 Mitgliedern höchst bedeutend sind. – Auch ist H. St. zu bescheiden, um eine den Umständen nach allerdings bedeutende Summe als Garantie zu fordern. – Wollten Sie ihn übrigens nach Allem diesen, eine Eröffnung machen, so schreiben Sie umgehend an ihn nach Darmstadt in die Traube.
Ueber seiner höchst orginelle, eigenthümliche Weise in den von ihm gegebenen Productionen behalte ich mir vor, Ihnen später zu berichten.
Meinen herzlichen Dank für das übersandte Ex. Ihres Oratoriums. Es überraschte mich in dem Augenblik als wir ihr 2tes Doppelquartett, Ihre 3te Sinfonie als Septett arrangirt, u. das Ottett von Mendelsohn spielten.
Ich werde morgen mit Schelble das Oratorium durchsingen und mich bemühen, Theilnehmer zur Subscription zu finden.
Die Post eilt u. ich muß daher schließen.

Ihr treuer Fr.
WSp.



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohr an Speyer, 18.11.1835. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Speyer, 27.01.1836.

[1] Edward Speyer transkribiert hier 1831. Da es sich bei diesem Brief jedoch offensichtlich um den Antwortbrief auf Spohr an Speyer, 18.11.1835 handelt und Johann Strauß 1831 nicht in Hessen auf Tournee war, muss dieses Datum als 1835 gelesen werden. Auch das im Brief genannte Oktett von Mendelssohn erschien erst 1833 im Druck.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (08.03.2016).