Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.3 <Spohr, Marianne 18351015>

An Fräulein 
Marianne 


Geliebte Marianne,

In einer schlaflosen halben Stunde der vorigen Nacht, veranlaßt durch Line’s1 Unwohlseyn, fiel mir die, auf der 3t Seite dieses halben Bogens (Du siehst, ich nehme gute Lehre an,) befindliche Charade ein. Ihre Lösung werde ich um 3 Uhr Nachmittags von Dir hören.
gut? – lieb? – 

Dein 
Louis.


Viersylbige Charade

Die erste ist der Uranfang dessen, was der Mensch erlernt; bringt er es bis zur Erkunde, so macht er Bekanntschaft mit der zweiten, bey der Pflanzenkunde mit der dritten, bey der Geschichte mit der vierten doppelt. An das Ganze denkt er aber erst in trüben Tagen und gäbe ihm gern die fehlende 1 zur runden Zahl, bedürfte er seiner niemals.

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Spohr, Marianne
Erwähnte Personen: Pfeiffer, Caroline
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1835102300


Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Louis Spohr an Marianne Pfeiffer, 18?.10.1835
Auf der vierten Briefseite mit der Adresse befindet sich rechts oben die Nummerierung „10“. Dies fügt sich in eine Reihe von mit 2-10 durchnummerierten Briefen von Louis Spohr an Marianne Pfeiffer sowie einem mit „1.“ nummerierten Briefumschlag ein ein. Auch wenn es schwierig ist, aus einzelnen Ziffern oder Buchstaben eine Schreiberin zu identifizieren, zeigt der Vergleich der Nummerierungen von Spohrs Brautbriefen an Marianne Pfeiffer mit den Datumsangaben in deren erhaltenen Tagebüchern eine große Ähnlichkeit. Daher nehme ich ich an, dass die Nummeriungen von ihr stammen und eine relative Datierung der Briefe erlauben.
Da der mutmaßliche Vorbrief vom 18.10.1835 stammt, entstand dieser Brief vermutlich ab dem 19.10.

[1] Wohl Mariannes Schwester Caroline Pfeiffer.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (02.06.2026).