Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.3 <Spohr, Marianne 18351010>

An 
Fräulein Marianne 
Pfeiffer.


Sonnabend früh.

Herzlichgeliebte!

Wenn ich die Auflösung Deines Bruders richtig errathen habe, so ist es, der musikalischste Heilige der Östreicher. Solltest du ihn heute früh sehen, Deinen Bruder nämlich, nicht den Heiligen, so frage ihn gefälligst, ob ich es getroffen habe, zugleich auch, ob er, als unbezweifelt tüchtiger Mineraloge, wohl den musikalischsten Stein kenne? 
Als Product meines Erwachens und ersten Gedankens, setze ich Dir wieder eine Charade her und zwar zur Abwechslung eine französische:

Charade.
quatres sillabes.
Quand je serai les deux premiers du tout, je ne me soucirai plus des deux derniers, enfant qu‘ils en seront.
Sollte mein Französisch nicht ganz kauscher1 seyn, so wolle sich die liebe Philologin darüber nicht scandalisiren. Nur wenn ich Noten schreibe, bin ich meiner Sache ganz gewiß. 
Die 11te Stunde, die mich zu Dir führen wird, erwartet mit Ungeduld 

Dein 
Louis.

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Spohr, Marianne
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1835101000


Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Louis Spohr an Marianne Pfeiffer, zwischen 06. und 09.10.1835. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Louis Spohr an Marianne Pfeiffer, 12?.10.1835.
Auf der Rückseite des Blatts befindet sich rechts unten die Nummerierung „7.“. Dies fügt sich in eine Reihe von mit 2-10 durchnummerierten Briefen von Louis Spohr an Marianne Pfeiffer sowie einem mit „1.“ nummerierten Briefumschlag ein. Auch wenn es schwierig ist, aus einzelnen Ziffern oder Buchstaben eine Schreiberin zu identifizieren, zeigt der Vergleich der Nummerierungen von Spohrs Brautbriefen an Marianne Pfeiffer mit den Datumsangaben in deren erhaltenen Tagebüchern eine große Ähnlichkeit. Daher nehme ich ich an, dass die Nummeriungen von ihr stammen und eine relative Datierung der Briefe erlauben.
Nur wenige Briefe datierte Spohr zumindest mit Wochentagen. In der Annahme, dass die Briefe in relativ kurzer Zeit nacheinander entstanden und dass der erste dieser Briefe am 27?.09.1835 entstand (zur dieser Datierung vgl. den Kommentar dort), stammt der letzte mit Wochentag datierte Brief vom 05.10. und demnach dieser Brief vom 10.10.

[1] „Kauscher, (Koscher) heißt bei den Juden was rein und ihnen nach ihrem Gesetz zu genießen oder zu gebrauchen erlaubt ist“ (Real-Encyclopädie oder Conversations-Lexicon, 5. Aufl., Bd. 5, Leipzig 1822, S. 389).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (02.06.2026).