Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Elberfeld, den 5t Oct. 35.

Wohlgeborner Herr,
Verehrtester Herr Kapellmeister,

in der frohen Hoffnung, daß Sie sich bei Lesung meines Namens noch meiner unbedeutenden Person erinnern, bin ich so frei durch nachstehende Zeilen Ihnen, im Auftrage unserer Theaterverwaltung folgende ergebenste Bitte mitzutheilen:
Es ist nämlich meine Absicht zur Eröffnung der Düsseldorfer Theaterperiode den Titus, der daselbst seit vielen Jahren nicht gegeben worden ist, u. früher eine Lieblingsoper der Düsseldorfer gewesen sein soll, einzustudiren, u. ihn hier in Elberfeld wenigstens einmal zur Aufführung zu bringen, damit ich in Düsseldorf weiter keine Schwierigkeiten, mit Einstudirung des Orchesters, mit der genannten Oper habe. Obgleich der ehemalige Theaterdirector Hr. Derossi die Oper besessen hat, so ist sie ihm, wie die meisten guten andern Sachen, bei seiner unordentlichen Haushaltung entwendet worden, indeß ihm höchstens Achilles u. Griselda von Pär u. degl. Zeug mehr verblieben ist. Ich habe nun die Partitur in Leipzig verschreiben lassen. Es steht aber zu erwarten, daß sie erst zu einer Zeit eintreffen wwerde, in der es unmöglich sein wird, die Orchesterstimmen bis zum bestimmten Tage der Aufführung auszuziehen. Inzwischen fehlt uns auch das Buch. Ich erlaube mir daher, geehrtester Herr Kapellmeister die ergebenste Anfrage, ob es durch Ihre gefällige Verwendung möglich ist, aus der Bibliotek des Kasselschen Hoftheaters die Orchesterstimmen und das Buch der Oper Titus nur auf so lange Zeit leihweise zu erhalten, als es nöthig ist, beide zu copiren. Sollte diesem Wunsche genügt werden können, so sind Sie wohl von der größten Gefälligkeit den dortigen Calcanten die Sorge des Verpackens, aber wo möglich, augenblicklich! - zu übertragen, und die Verpackungskosten entweder durch Postvorschuß sogleich aufnehmen oder uns eine Notiz darüber zukommen zu lassen. Sollten Sie für den Augenblick auch die Partitur u. das Buch der Mihulschen Oper: Une folie, bei uns nur unter dem Namen: Je toller, je besser bekannt, entbehren können, so würden Sie mich sehr verbinden, wenn Sie beides den andern Sachen beilegen ließen.
Verzeihen Sie, verehrtester Herr Kapellmeister meine Dreistigkeit, und sein Sie versichert, daß, sollte es irgend einmal möglich sein, Ihnen einen Dienst leisten zu können, ich jede mir sich dazu barbietende Gelegenheit mit Freuden ergreifen und nach Kräften ausführen werde. Sie würden mich unendlich erfreuen, wenn Sie dem Paquet – welches uns baldigst zu übersenden, ich Sie nochmals recht dringend bitte – ein paar Worte von Ihrer Hand beilegten.
Mit dem herzlichsten Wunsche, daß diese Zeilen Sie in dem erwünschtesten Wohlsein antreffen mögen, nenne ich mich mit ausgezeichneter Hochachtung u. Verehrung

Ew. Wohlgeborner
ganz ergebenster
Julius Rietz.

Autor(en): Rietz, Julius
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Derossi, Joseph
Erwähnte Kompositionen: Mozart, Wolfgang Amadeus : <%La%> clemenza di Tito
Méhul, Etienne Nicolas: <%Une%> folie
Paër, Ferdinando : Achille
Paër, Ferdinando : Griselda
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Stadttheater <Düsseldorf>
Theater <Elberfeld>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1835100543

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Spohrs Antwortbrief ist derzeit verschollen.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (10.06.2022).