Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.3 <Spohr, Marianne 18351005>

An 
Fräulein Marianne
Pfeiffer. 


Montag früh.

Herzlich Geliebte,

Gestern Abend war es mir leider nicht vergönnt, noch einmal in Dein freundliches Auge zu blicken, denn als ich Theresen aus dem Theater nach Haus gebracht hatte, war es zu spät geworden und ich mußte fürchten Euch bey dem Essen zu stören. Heute früh habe ich Probe, doch hoffe ich sie so früh beendigen zu können, um Dich vor Tische noch zu sehen. Jedenfals komme ich aber um 4 Uhr um Dich zu einem Spaziergange, wenn das Wetter es erlaubt, abzuhohlen, wo nicht, mit dir zu plaudern. 
Habe die Güte, dem Überbringer die beyden Bücher aus den Lesebibliotheken zu geben, wenn Ihr sie nicht mehr gebraucht. 
Gestern Abend während des Zwischenakts habe ich endlich den Kometen gesehen. Seine Grüße ist ziemlich bedeutend, das Licht aber sehr schwach, so daß er nur mit scharfen oder bewaffneten Augen gesehen werden kann. Nach dem Theater, wie der Mond aufgezogen war, habe ich ihn nur mit Mühe wiederfinden können, so schwach war nun sein Licht. Therese, die ihn nun zuerst sah, war in ihren Erwartungen wenig befriedigt. Sie hatte nach den jahrelangen Ankündigungen1 ein brillianteres Debut erwartet! 
Von ganzen Herzen 

Dein 
Louis.

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Spohr, Marianne
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1835100500


Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Louis Spohr an Marianne Pfeiffer, zwischen 29.09. und 04.10.1835. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Louis Spohr an Marianne Pfeiffer, zwischen 06. und 09.10.1835.
Auf der vierten Briefseite mit der Adresse befindet sich rechts unten die Nummerierung „5.“. Dies fügt sich in eine Reihe von mit 2-10 durchnummerierten Briefen von Louis Spohr an Marianne Pfeiffer sowie einem mit „1.“ nummerierten Briefumschlag ein. Auch wenn es schwierig ist, aus einzelnen Ziffern oder Buchstaben eine Schreiberin zu identifizieren, zeigt der Vergleich der Nummerierungen von Spohrs Brautbriefen an Marianne Pfeiffer mit den Datumsangaben in deren erhaltenen Tagebüchern eine große Ähnlichkeit. Daher nehme ich ich an, dass die Nummeriungen von ihr stammen und eine relative Datierung der Briefe erlauben.
In der Annahme, dass die Briefe in relativ kurzer Zeit nacheinander entstanden und dass der erste dieser Briefe am 27?.09.1835 entstand (zur dieser Datierung vgl. den Kommentar dort), ist dieser Brief auf den darauf folgenden Montag zu datieren, also auf den 05.10.1835.

[1] Vgl. z. B. G[ustav] A[dolph] Jahn, Der vom August 1835 bis zum April 1836 sichtbare Halley‘sche Komet in seinem Laufe dargestellt und erklärt, nebst einer vorläufigen Hindeutung auf die große Sonnenfinsterniß den 15. Mai 1836, Leipzig 1835; E[duard] Heis, Der im October 1835 sichtbare halley‘sche Komet in seiner wahren und scheinbaren Bahn während der Jahre 1835 und 1836, Köln 1835; Jacob Wilhelm Heinrich Lehmann, Die Wiedererscheinung des Halley‘schen Kometen im Herbste dieses Jahres 1835, Potsdam 1835.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (02.06.2026).