Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.3 <Spohr, Marianne 18350927>
Sonntag früh,
Theuerste Marianne,
Gestern abend habe ich Theresen noch mein Glück verkündet. Sie war sehr überrascht; die freudigste Theilnahme malte sich aber auf Ihrem Gesichte.
Wie hast du geschlafen? verzeihe daß ich das vertrauliche Du nicht länger zurückhalten kann. – ich konnte lange vor freudiger Unruhe nicht einschlafen; in der Nacht erwachte ich und glaubte anfangs, ein schöner Traum habe mich geweckt, bis ich mich nach und nach allen Einzelheiten des gestrigen herrlichen Tages erinnerte. Doch dieß alles wollte ich eigentlich nicht schreiben, sondern nur anfragen, in welcher Kirche Ihr das heilige Abendmahl nehmet? Nenne dem Überbringer nur den Ort, wenn du etwas zu beschäftigt bist, um schreiben zu können.
Um 2 Uhr werden meine beyden andern Töchter1 zu mir kommen. Mit Ungeduld erwarte ich die Stunde da sie auch dich mir zuführen wird.
Ganz der deine
Louis Spohr
| Autor(en): |
Spohr, Louis |
| Adressat(en): |
Spohr, Marianne |
| Erwähnte Personen: |
Spohr, Therese Wolff, Ida Zahn, Emilie |
| Erwähnte Kompositionen: | |
| Erwähnte Orte: | |
| Erwähnte Institutionen: | |
| Zitierlink: | https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1835092700 |
Der letzte erschlossene Brief dieser Korrespondenz stammt wahrscheinlich vom Vortag. Der Folgebrief enstand vermutlich zwischen 28.09. und 03.10.1835.
Auf der Rückseite des Blatts befindet sich rechts unten die Nummerierung „2.“ Dies fügt sich in eine Reihe von mit 2-10 durchnummerierten Briefen von Louis Spohr an Marianne Pfeiffer sowie einem mit „1.“ nummerierten Briefumschlag ein. Auch wenn es schwierig ist, aus einzelnen Ziffern oder Buchstaben eine Schreiberin zu identifizieren, zeigt der Vergleich der Nummerierungen von Spohrs Brautbriefen an Marianne Pfeiffer mit den Datumsangaben in deren erhaltenen Tagebüchern eine große Ähnlichkeit. Daher nehme ich ich an, dass die Nummeriungen von ihr stammen und eine relative Datierung der Briefe erlauben.
Im bislang bekannten Briefwechsel erwähnt Spohr die Verlobung mit Marianne Pfeiffer erstmals am 30.09.1835 an Wilhelm Speyer. Im Brief an seinen ebenfalls sehr engen Freund Adolph Hesse vom 15.09.1835 berichtet Spohr zwar über die Komposition seines neuen Streichquartetts, jedoch nicht über die Verlobung. Demnach müsste dieser Brief an einem Sonntag zwischen dem 15. und 30.09. entstanden sein, also am 20. oder 27. Da Spohr die Verlobung Speyer als ganz große Neuigkeit mitteilt, ist hier das spätere Datum angenommen. Weitere Quellen könnten freilich noch zur früheren Datierung führen.
[1] Emilie Zahn und Ida Wolff.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (02.06.2026).