Autograf: nicht ermittelt
Vorlage: Computerdatei von Herfried Homburg († 2008)
Druck: Autographen aus allen Gebieten. Auktion am 13. und 14. Mai 1965 (= Katalog Stargardt 572), Marburg 1965, S. 132 (teilweise)
Inhaltsangabe: Katalog einer besonders hervorragenden Sammlung von Autographen berühmter Dichter und Schriftsteller, Briefen und Manuskripten von Musikern und Komponisten sowie einer kleinen Sammlung Albums mit Eintragungen berühmter Persönlichkeiten, einer wertvollen Korrespondenz des Malers H. Füger, verschiedenen Briefen von Schauspielern, Sängern und sonstigen hervorragenden Persönlichkeiten, Wappenbriefe und Urkunden. Versteigerung in Wien: Montag, den 29. und Dienstag, den 30. Oktober 1906 (= Katalog Gillhofer & Ranschburg 21), Wien 1906, S. 23
Sr. Wohlgeb.
dem Herrn Kammermusikus
Hubert Ries
in Berlin
Hierbei 1 Packet
in Leinen
mit Musikalien
gez. H.R.
Cassel den 15ten
September 1835.
Geehrter Herr u. Freund,
Beykommend erhalten Sie 21 Exemplare des Clavierauszugs meines Oratoriums. Davon sind 11 nebst 2 Freiexeml. für die von Ihnen gütigst gesammelten Subscribenten bestimmt; 5, nebst 1 Freiexempl. bitte ich an Herr Rungenhagen und 2 an Herrn Curschmann abzugeben. Sie würden das Maas Ihrer Güte voll machen, wenn Sie die Gefälligkeit hätten, die Gelder für sämtliche 18 Exempl. einzukassiren und mir alsdann in Kassenscheinen übermachten. Ihre Portoauslagen werden Sie gefälligst auf die Exempl. repartiren.
Ihrer Aufforderung, eine Concertante für die Quartettinstrumente1 zu schreiben, hätte ich in einer anderen Zeit vieleicht nachkommen können; jezt wäre es mir aber unmöglich, denn mich hat ein neuer Unglücksfall tief gebeugt und zu aller Arbeit für’s erste unfähig gemacht. Ich habe auf der Reise nach Holland meine Schwägerin2, ein höchst gebildetes, anständiges Mädchen, die seit 14 Jahren bey mir wohnte, durch den Tod verlohren und in Zandvoort begraben! –
Vieleicht wissen Sie nicht, daß ich eine neue Concertante für 2 Violinen geschrieben habe. Sie ist bey Simrock gestochen. Sollte diese in Berlin noch nicht gespielt seyn, so würde sie sich für Ihr Eröffnungsconcert eignen. Sie ist dankbar für die Spieler – Vor der Reise schrieb ich mir auch ein neues Concertino. Ich habe es in Holland einige male in Privatgesellschaften mit Clavierbegleitung gespielt.
Leben Sie recht wohl. Der Himmel bewahre Sie vor Erfahrungen, wie ich sie im letzten Jahr gemacht habe.
Mit wahrer Hochachtung und Freundschaft
der Ihrige
Louis Spohr
| Autor(en): |
Spohr, Louis |
| Adressat(en): |
Ries, Hubert |
| Erwähnte Personen: | |
| Erwähnte Kompositionen: | |
| Erwähnte Orte: | |
| Erwähnte Institutionen: | |
| Zitierlink: | www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1835091511 bitlx |
Dieser Brief ist die Antwort auf Ries an Spohr, 03.07.1835. Der Postweg dieses Briefs überschnitt sich mit Ries an Spohr, 14.09.1835. Ries beantwortete diesen Brief am 04.12.1835.
[1] Offensichtlich liegt in Ries’ Bitte der Ursprung für die Idee des dann aber erst 1845 komponierten Quartettkonzerts op. 131 (vgl. Herfried Homburg, Louis Spohr. Bilder und Dokumente seiner Zeit, Kassel 1968, S. 42; Folker Göthel, Thematisch-bibliographisches Verzeichnis der Werke von Louis Spohr, Tutzing 1981, S. 224).
[2] Wilhelmine Scheidler.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (14.11.2024).