Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Seine Wohlgeb.
dem Herrn Louis Spohr
Kurfürstl. Hessischer
Kapellmeister
in
Cassel1
Rotterdam den 2ten Juni 1835.
Hochgeehrter Herr und Freund!
Recht gefreut hat es mich durch Ihr Schreiben zu vernehmen, daß ich binnen kurzer Zeit das Vergnügen haben werde Sie einmal wieder zu sehen. Ich hoffe und zweifle keineswegs daran daß Sie den wahrscheinlichen Zweck Ihrer Reise, nehmlich Erholung und Stärkung durch den Gebrauch der Seebäder in Scheweningen, vollkommen erreichen werden. Auch umsern Kunstfreunde die Sie so wie ich hoch verehren, war es eine recht erfreudliche Nachricht dass Sie Holland besuchen würden. Wie sehr diese sich hier und im ganzen Lande für Ihre herrlichen Tonschöpfungen interessiren davon muss Ihnen die Aufführung Ihres ersten Oratoriums bei unsrem Haagschen Musikfeste ein angenehmer Beweis sein. Recht verlangen wir nach der näheren Bekanntschaft mit Ihren letzten Werken. Mit Recht darf man von Ihnen wieder ein recht gediegenes Kunstwerk erwarten. Mögen die Schwierigkeiten desselben nur nicht von der Art sein daß sie für unsre Liebhaber zum Stein des Anstoßes werden. An Eifer diese zu überwinden und das Ganze auf eine des Componisten würdige Weise auszuführen, daran fehlt es nicht!
Ich habe mit der Antwort etwas gezögert da verschiedene unserer Musikliebhaber aus der Stadt waren und es mir doch darum zuthun war Ihnen mehrere Subscribenten hier zu besorgen. Ihre Subscriptions-Einladung behalte ich noch indem sich möglich noch die Gelegenheit darbietet noch einige Unterschriften darauf zu bekommen. Gezeichnet haben bis jetzt sämmtlich für ein Exemplar: 1. Die Direction des Gesang-Vereins, 2 Ich der Director, 3) Herr A.C.G. Vermeulen, allgemeiner Secretair der Holländischen Maatschappi Zur Beförderung der Tonkunst 4) H. Jaq. H.C. van der Kun 5) H.C. van Alphen 6) Fräulein Joh. Dalen 7) H.B. Tours unser erste Violinspieler und Organist an der großen Kirche, 8) G.J. Boutmy 9) E. Boehm 10) J.M. Janclaes, 11) J.R. Blees aus Aachen, das Exemplar jedoch hier zu besorgen, und 12) L. Havelaar.
Die zugesagten Frei-Exemplare werde ich mit Vergnügen von Ihnen annehmen, so wie ich mich auch wenn Ihr Oratorium hier einmal gut einstudirt und man natürlich danach verlangen wird es mit der Orchester-Begleitung zu hören an Sie mit der Bitte wenden werde, mir für unsern Gesangsverein, wovon die Mehrzahl der Subscribenten Mitglieder eine Abschrift der Partitur zukommen zu lassen.
Mich recht sehr darauf freuend Sie baldigst hier zu sehen, verbleibe ich mit ausgezeichneter Hochachtung und Freundschaft
Ihr
ergebener
C. Mühlenfeldt.
| Autor(en): |
Mühlenfeldt, Carl |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: |
Blees, Jakob Richard Boehm, E. Boutmy, G.J. Dalen, Joh. Havelaar, L. Janclaes, J.M. Tours, Bartholomeus van Alphen, H.C. van der Kun, Jacques Vermeulen, Adrianus Catharinus Gerardus |
| Erwähnte Kompositionen: |
Spohr, Louis : Des Heilands letzte Stunden |
| Erwähnte Orte: |
Rotterdam Scheweningen |
| Erwähnte Institutionen: |
Gesangverein <Rotterdam> |
| Zitierlink: | https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1835060244 |
Dieser Brief ist die Antwort auf Spohrs Subskriptionsaufruf zum Klavierauszug seines Oratoriums Des Heilands letzte Stunden, dessen an Mühlenfeldt gerichtetes Exemplar derzeit verschollen ist. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Mühlenfeldt an Spohr, 26.05.1836, aus dem sich noch ein derzeit verschollener Brief von Spohr an Mühlenfeldt erschließen lässt.
[1] Auf dem Adressfeld befindet sich rechts in der Mitte der Poststempel „ROTTERDAM / 2 / JUNIJ“; auf der Rückseite des zusammengefalteten Briefumschlags der leicht verwischte Stempel „5 JUNI 1836“.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (10.03.2023).