Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Hamburg den 17t April.
Lieber Herr Capellmeister,
Vergangenen Montag war eine Aufführung Ihres herrlichen Oratorium’s1 zum besten der hiesigen Warteschulen2. Die Peterskirche war so voll als ich sie noch nie gesehen, es waren an 3400 Bilett verkauft u so wird ein schöner Ueberschuß bleiben. Ihr Werk hat ungemein gefallen und obgleich mehre den Tod Jesu, andere lieber den Messias gewünscht hatten, so waren dieselben nachdem sie Ihr Werk mit Orchester gehört hatten ganz begeistert, mit meiner Wahl. Der zweite Theil besonders hat die Zuhörer hingerißen, bei dem ersten Theil hatte ich zwar die Sopran solos einer sehr schönen, volen3 Stimme zugetheilt, die Dame war aber am Abend leider ängstlich; im zweiten Theil sang Fr. Paasche die Solo’s uns ganz ausgezeichnet hin. – Herr Dr Mutzenb. hat mir gratulirt zu der Aufführung u freut sich gleich mir auf Ihr neustes Werk4 wozu er sich 10 Ex. erbittet. Ich habe mich5 auch nicht an die Subscription gemacht und ich erst Ihr Orat. zu Gehör bringen wollte. Gleich nach Ostern werde ich Subscribenten sammeln – es ist6 leider nur gar schlecht hier mit dem Kauf größerer Werke. Wir haben hier nicht weniger als drei große Buch-Institute, und die harren dem Verkauf ganz besonders. Wie hoch wird Ihr Werk wohl kommen? – es scheint mir nothwendig7 den Preis gleich dabei bemerken zu können, und wann wird der Clavierauszug erscheinen? –
Die Weihe der Töne haben hier ganz besonders gefallen – in einigen Blätter ward zwar das Gedicht u daß Sie darüber eine Musik geschrieben, stark gebeutelt, was schmieren aber diese Kerls hier zusammen. Dem Orchester und dem größten Theil hat Ihre Sinfonie ungemein viele Freude gemacht, sie ging aber auch ganz vortrefflich.
Meinen herzlichen Dank für die Noten, die ich Ihnen anbei hiemit zurücksende. Leben Sie recht wohl, lieber Freund und erfreuen Sie mich bald mit ein Paar Zeilen.
Der arme Schwencke, der den ganzen Winter gefährlich krank war, ist doch wieder besser geworden – glücklich wird er aber nie seyn –
Mit ganzem Herzen der Ihrige Fr. W. Grund.
| Autor(en): |
Grund, Wilhelm |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: |
Mutzenbecher, Ludwig Samuel Dietrich Paasche, Henriette |
| Erwähnte Kompositionen: |
Graun, Carl Heinrich : Der Tod Jesu Händel, Georg Friedrich : Messiah Spohr, Louis : Des Heilands letzte Stunden Spohr, Louis : Die letzten Dinge |
| Erwähnte Orte: |
Hamburg |
| Erwähnte Institutionen: |
Singakademie <Hamburg> |
| Zitierlink: | https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1835041739 |
Der letzte erhaltene Brief in der Korrespondenz ist Grund an Spohr, 11.03.1835. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Grund an Spohr, 27.06.1835.
[1] Die letzten Dinge.
[2] „Für Kinder, deren Eltern des Tages über einem Erwerb außer dem hause nachgehen müssen, Sie sollen die Kinder vor leiblichem und geistigem Schaden bewahren, ihnen den ersten Unterricht zur Entwicklung ihrer Anlagen ertheilen und sie zugleich für die eigentlichen Lehrschulen vorbereiten“ (Die milden Privatstiftungen zu Hamburg, 2. Aufl., Hamburg 1870, S. 170f.).
[3] Sic!
[4] Des Heilands letzte Stunden.
[5] „mich“ über der Zeile eingefügt.
[6] Hier gestrichen: „hier“.
[7] Hier ein Wort mit drei Buchstaben gestrichen.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (27.07.2026).