Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Hamburg d. 11t März 

Theuerster Freund, 

Diese Zeit habe ich recht viel an Sie gedacht und mich mit zwei Ihrer großen herrlichen Compositionen beschäftigt. Von der Weihe der Töne habe ich bereits zwei große Proben gehalten und führe es so den 14ten dieses im philharm. Concert auf. Gestern ward sie nach vierstündigen Probiren den Musikern schon klar u so hoffe ich Ihr schönes, höchst interessantes Werk dem hiesigen Publicum gut vorzuführen. Das Andante wird uns noch immer schwer das soll sich in der letzten Probe hoffentlich auch noch geben. 
In der stillen Woche muß ich ein1 Kirchenconcert zum Besten der hiesigen Warteschulen2 geben u dazu habe ich Ihr schönes, hier mit Orchester noch nicht gehörtes Oratorium erwählt. Dr Mutzenbecher aus Altona hat mir Partitur & Stimmen zugesagt in der Voraussetzung daß Sie es genehmigen. Da er aber wenig ausgeschriebene Violinen & Bässe hat, ich das Orchester und den Chor aber gerne stark besetzen mögte, wage ich die Bitte an Sie mir recht bald, 10 Sop., 5 Alt, 5 Tenor, 10 Bässe – ferner 3 Violin 1°, 3 Violin 2°, 2 Viola & 2 Bässe zukommen zu lassen. Im Fall Sie keine Stimmen besitzen, bitte ich um ein paar Zeilen, damit ich selbige mit Ihrer Erlaubniß noch schnell copiren lasse.
Den Eduard haben Sie wieder so sehr freundlich aufgenommen und ihm den Aufenthalt in Cassel so lieb gemacht – wie gern wäre ich noch bei Ihnen gewesen, aber jetzt Familienvater von sechs Kindern muß ich mich plagen um’s täglich Brod mit Stundengeben.
Meine Frau läßt sich Ihnen bestens empfehlen – tief fühlte sie mit mir den entsetzlichen Verlust der Sie betroffen hat3; möge der liebe Gott Sie stärken und noch lange, lange den Ihrigen und uns Allen erhalten. 

Mit herzlicher Liebe
Ihr Wilhelm Grund.

P. S. Dr Mutzenbecher bittet Sie durch mich ihm von Ihren Kirchencompositionen und Sinfonien das Meiste gegen Geld und gerechte Bezahlung zukommen zu lassen. – Ist das Tempo im Allegro Edur, Seite 26 im Auszug ♪ 69 richtig? es kommt mir gar langsam vor.

Autor(en): Grund, Wilhelm
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Grund, Eduard
Mutzenbecher, Ludwig Samuel Dietrich
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Die Weihe der Töne
Spohr, Louis : Die letzten Dinge
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Singakademie <Hamburg>
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1835031139


Der letzte erhaltene Brief in der Korrespondenz ist Grund an Spohr, 28.10.1826. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Grund an Spohr, 17.04.1835.

[1] „ein“ über der Zeile eingefügt.

[2] „Für Kinder, deren Eltern des Tages über einem Erwerb außer dem hause nachgehen müssen, Sie sollen die Kinder vor leiblichem und geistigem Schaden bewahren, ihnen den ersten Unterricht zur Entwicklung ihrer Anlagen ertheilen und sie zugleich für die eigentlichen Lehrschulen vorbereiten“ (Die milden Privatstiftungen zu Hamburg, 2. Aufl., Hamburg 1870, S. 170f.).

[3] Spohrs erste Frau Dorette verstarb am 20.11.1834.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (27.07.2026).