Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Hochverehrtester Herr Kapellmeister!

Bei’m Studiren einer Mozartischen Oper ist es mir oft unangenehm aufgefallen, wie viel die Übersetzungen an der Mozart’schen Musik verdorben haben.
Können Wir es nicht leiden, daß jemand einen unrichtigen Bogenstrich gegen die Idee des Componisten nimmt, wie viel unangenehmer muss es sein, wenn der Sänger durch den Laut, den Athem und die Sinne zugleich die Melodie eines großen Meisters versäbelt. – 
Wenn es auf Verbesserungen ankommt, an wen sollte man sich besser wenden, als an Sie, dem die Mozart’sche Oper noch am Herzen liegt. – 
Beispielsweise habe ich daher einige Stellen umgebogen, in einer, wenn auch poëtisch werthlosen Übersetzung, die aber die Compositionen und den Urtext auf’s Genaueste im Auge gehalten und nach meiner Überzeugung manches Gebrechen früherer Übersetzungen beseitigt hat.
Das Beispiel aus Figaro ist so augenfällig, daß ich wünschen möchte, es werde demnächst Gebrauch davon gemacht, denn die verjaunerte Melodie kann nur durch eine andere Übersetzung im richtigen Zeitmaß (oder eigentlich Metrum) zu Mozart’s Idee wiederhergestellt worden.1 Ich habe die Einschnitte mit dem harten cosa, cosa nachzubilden gesucht2, und verharre mit der innigsten Hochachtung 

Ew. Wohlgeboren
ergebenster
FNebelthau

Cassel 27/2 34

Autor(en): Nebelthau, Friedrich
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Mozart, Wolfgang Amadeus : Il Nozze di Figaro
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1834022746


Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Nebelthau an Spohr, 14.07.1833. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Nebelthau an Spohr, zwischen 07. und 11.02.1835.

[1] Gemeint ist hier offensichtlich eine Änderung des Metrums in der Melodie, das aus der jeweiligen deutschen Übersetzung resultiert.

[2] Nebelthau nimmt seinen Vorschlag viele Jahre später noch einmal auf in einem Brief an Spohr vom 20.02.1856.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (17.04.2026).