Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Göttingen den 19. August 33.
Hochgeehrtester Herr!
Ihr Brief traf mich sehr, sehr hart! und doch muß ich Ihnen danken für die Theilnahme die aus ihm hervorleuchtet, da sie mir Muth zu einer neuen Bitte verleiht. – Werden Sie, hochgeehrtester Herr! nicht verschmähen, mir Ihren Rath zu ertheilen? – Von jeher ward ich mir selbst überlaßen, kein Rathgeben stand mir jemals freundlich und aufmunternd zu Seite, ich komme aus fremden lande, habe in Deutschland weder Verwandte, noch Protectionen, und so nimmt auch niemand Theil an der Fremden. Vielleicht bin ich, und meine Unerfahrenheit, Schuld an den vielen Wiederwärtigkeiten die mich unabläßig verfolgen, aber es thut mir unendlich weh zu sehen, wie so viele mit geringern Talente zu Ruhm und Ehre gelangen, während mir alles mißlingt. –
Wohin soll ich mich nun wenden? – Hochgeehrtester Herr! gönnen Sie mir Ihren Rath, Ihre Empfehlung, Sie verschwenden ihn an keine Unwürdige. Ihr Name allein thut mehr als meine größten bemühungen, er ist ein Paß der mir die verschloßenen herzen öffnen wird. – Ich möchte lieber mit geringer Gage an ein Hoftheater als mit der brillantetesten an eine Privat-Bühne. – Dupont aus Wien ließ mir sagen daß, wenn ich die Reise risquiren wolle, und ich dann dem publikum gefalle so könne er mit vielleicht Hoffnung auf engagement geben. Aber wie kann ich eine solche Reise mit so unbestimmten Aussichten antreten? – Mannheim vernachläßigte ich für Cassel, und weiß noch nicht ob die Stelle besetzt ist. Wie ists denn mit Weimar? –
Werden Sie mir aber auch verzeihen daß ich Sie so quäle? ach! ein mädchen das so stehe allein steht wie ich, bedarf des Rathes, und wer könnte mir ihn beßer ertheilen wie Sie, und zu wem hätte ich denn so viel Vertrauen als wie zu Ihnen? –
Hoffend und wünschen daß Sie mir nicht zürnen, unterzeichne in tiefster Hochachtung, Hochgeehrtester Herr!
Ihre ganz ergebene Dienerin
Emilie Grewen.
P. S. Wollten Sie sich gar für mich verwenden, Herr Kapellmeister, so hielte ich mich für geborgen, und zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet. –
| Autor(en): |
Grewen, Emilie |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: |
Dupont (Wien) |
| Erwähnte Kompositionen: | |
| Erwähnte Orte: | |
| Erwähnte Institutionen: |
Hoftheater <Kassel> Hoftheater <Weimar> Nationaltheater <Mannheim> |
| Zitierlink: | https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1833081943 |
Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Spohr an Grewen.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (14.07.2026).