Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Magdeburg d 2ten März 1831.

Wohlgeborner sehr geehrter Herr.

Mit unnennbarer Ungeduld, habe ich mit jedem Tage eine Entscheidung von Ew Wohlgeboren meinen Ihnen ausgesprochenen Wunsch betreffend erwartet, doch immer wollte die Verheißene nicht erscheinen, und ich sehe mich denn genöthigt, so ungern Ew Wohlgeboren ich auch belästige, es dennoch auf gut Glück zu wagen.
Mein hiesiges Engagement, welches nach meinem Wunsche mit 1ten April zu Ende geht, und das auch ohne Aussicht nach Cassel zu kommen verlassen hätte, da ich, und keiner meiner Nachfolger, sobald enger Fleiß und Eifer sein Talent zu entwickeln ihn anfeuere, in seiner hiesigen Stellung zufrieden sein kann. Demzufolge wage nun Ew Wohlgeboren die ergebene Bitte vorzulegen, im Fall ewig das Glück nicht beschieden sein soll mit Ihnen die nähere Verbindung zu treten, mich mit kurzem Warten aus meinem Himmel zu reißen, damit ich die leiseste Hoffnung dieses liebsten Wunsches aus dem Herzen verbanne, so schwer sich mir der Gedanke auch einprägen will. Ew Wohlgeboren wollen diese Zudringlichkeit verzeihen, und es mir nicht übel deuten, wenn ich Ihnen aufrichtig gestehe, das da ich weniger Ursache habe auf Gage zu sehen, ich selbst für geringe ein Engagement unter Ihrer Leitung angenommen, da ich nun einmal eine nicht zu bezwingende Vorliebe für Ew Wohlgeboren gefaßt, und mir diese um keinen Preis der Welt unter lassen mögte, noch würde. Das feste Vertrauen hegend, das Ew Wohlgeboren das eben Gesagte nicht als fade Schmeicheley, sondern als die Sprache meiner inneren Gefühle und Ueberzeugung halten, die ich so gern und offen bekenne, um so mehr, da Ew Wohlgeboren bey meiner näheren Bekanntschaft gewiß gefunden hätten, das so manches in der heutgen Theaterwelt nicht heufig1 gefundenes mich beseelt. Obgleich ich nun seit einiger Zeit der Neuigkeiten über Casseler Verfassung viele gehört habe, und darin auch die wahrscheinliche Nichterfüllung meines Wunsches suche, so kann ich doch nicht umhin Ew Wohlgeboren zu bekennen, daß ein kleiner Stoltz, wenn ich es so nennen darf, mir zuflüstert, das Ew Wohlgeboren in einer durch Befangenheit, und von der Reise angegriffenen und deswegen sich nicht in ihrer ganzen Beschaffenheit zeigenden Stimme, und Fähigkeiten Zweifel setzen dürften, und auch deshalb wage Ew Wohlgeboren ergebenst zu bitten, mir die Erlaubniß zu ertheilen Aprill d. J. einige Rollen singen zu dürfen, was mir Beruhigung, und großes Vergnügen gewähren würde, und Ew Wohlgeboren ein Leichtes sein dürfte.
Indem ich nun die Bitte wage, mir eine baldigst geneigte Antwort zu ertheilen, auch für meine aufrichtige Indringlichkeit Ihrer gütigen Verzeichnung entgegen sehe, ist es zugleich die größte Hochachtung und Ergebenheit mit der ich mich nenne

Ew Wohlgeboren
gehorsamster Diener
Ludwig Gubitz.

Autor(en): Gubitz, Ludwig
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Stadttheater <Magdeburg>
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1831030244


[1] Sic!

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (17.07.2026).